Handicap International: "Die Drahtzieher werden nie gefasst“

In Deutschland sind betrügerische Spendensammler unterwegs. Auch in Würzburg versuchen sie - wie auf diesem gestellten Foto - den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. (Foto: Bild Burkard Vogt, pixelio.de)
M Würzburg Dieser Fall ist in der Stadt tatsächlich so passiert: Ein Würzburger geht durch die Fußgängerzone und wird auf dem Oberen Markt von einem jungen Mann angesprochen, der ihm ein Blatt Papier vor die Nase hält. Gestikulierend gibt er zu verstehen, er sei taubstumm und sammle Geld für behinderte Kinder. Auf dem Papier ist das Logo von Handicap International, eine internationale Hilfsorganisation für Menschen mit Behinderung, zu erkennen; außerdem führt der Sammler eine Unterschriften- und Spendenliste mit sich. Der Würzburger gibt sein Scherflein - und ist damit einem Betrüger auf den Leim gegangen.

Organisation fürchtet um guten Ruf
„Seit vielen Monaten sind bundesweit und in den Nachbarländern – aktuell auch in Würzburg – Sammler unterwegs, die sich meist als gehörlos ausgeben. Sie behaupten auf ihrer Unterschriften- und Spendenliste, Spenden für Projekte von Handicap International zur Unterstützung von behinderten Menschen zu sammeln“, erklärt die Hilfsorganisation in einer Pressemitteilung. „Dies geschieht jedoch nicht in unserem Auftrag. Wir behalten uns daher vor, Strafanzeige zu stellen.“

Die Hilfsorganisation fürchtet um ihren guten Ruf: Handicap International führe prinzipiell keine Haussammlungen und zurzeit auch keine Straßensammlungen durch. Die internationale Hilfsorganisation für Menschen mit Behinderung arbeite nur im Rahmen allgemein anerkannter Methoden zur Spendenwerbung und trägt das Spendensiegel des DZI, des Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen. In diesem Jahr, so sagte eine Sprecherin auf Anfrage, seien der Organisation in Deutschland schon 60 Fälle betrügerischer Spendenwerbung zugetragen worden. Doch für Handicap International komme bei eine Anzeige meist wenig heraus: Entscheidend sei, dass nur die Spendensammler angezeigt werden können. „Die Drahtzieher werden nie gefasst“. Meist würden dann die Verfahren eingestellt. Dazu komme, dass die Spendensammler meist selber Opfer seien und unter hohem Leistungsdruck stünden.

Polizei: Vor der Spende nach einem Ausweis fragen
Die Würzburger Polizei sagte dieser Zeitung, das Phänomen von betrügerischen Sammlungen im Stadtgebiet trete „in regelmäßigen Abständen auf“. Spendengelder würden hier unter verschiedensten betrügerischen Vorwänden erwirtschaftet. Zuletzt traten Spendensammler als Taubstumme auf, sammelten vorgeblich für den Bau eines Zentrums für Taubstumme oder für den Bau eines internationalen Zentrums für Körperbehinderte.

Laut Polizei besitze ein Sammler bei offiziellen Spendensammlungen immer einen Ausweis der jeweiligen Organisation. Es sei ratsam, immer nach einem solchen Ausweis zu fragen. Zuständige Dienststellen sind rund um die Uhr unter den Telefonnummern (0931) 4 57 - 22 30 und - 22 31 erreichbar.

Handicap International
Die unabhängige gemeinnützige Organisation unterstützt in 60 Ländern behinderte und andere besonders hilfsbedürftige Menschen. Die Organisation ist eine der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen, die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat. 2011 wurde Handicap International mit dem Conrad N. Hilton Humanitarian Prize ausgezeichnet. Wer die Arbeit der Organisation unterstützen möchte, spendet hier: Spendenkonto 595, Bank für Sozialwirtschaft München, BLZ 700 205 00; IBAN DE07 7002 0500 0008 8172 00; BIC BFSWDE33MUE. Mehr Info: www.handicapinternational.de kae
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