„Glaube, Wissenschaft und Freundschaft“ - 120. Stiftungsfest der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Gothia-Würzburg

120. Stiftungsfest der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Gothia-Würzburg

Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Gothia-Würzburg konnte vor wenigen Tagen im großen Kreis ihr 120. Stiftungsfest feiern. Bei einem Festkommers begingen die Gothen im Saalbau Luisengarten mit über 300 Teilnehmern diesen bedeutenden Geburtstag.

Als die Gründungsmitglieder im Jahr 1895 die neue Verbindung „KDStV Gothia“ aus der Taufe hoben, wollten sie die Grundsätze „Katholischer Glaube, Wissenschaft, Freundschaft“ mit einem engagierten Verbindungsleben im Zeichen des wissenschaftlichen Fortschritts verbinden.

Die Treue zu ihren Grundsätzen ist zentraler Pfeiler der Verbindung – auch in Zeiten, in denen solche Treue mit Lebensgefahr verbunden war. Am 4. Februar 1930 legte Gothia in einem eindeutigen und aus damaliger Sicht risikoreichen „Unvereinbarkeitsbeschluss“ fest, dass Mitglieder der Verbindung niemals auch Mitglieder der NSDAP sein konnten: „Kein Angehöriger der Gothia kann jener Partei angehören, wenn er nicht den Prinzipien zuwiderhandeln und dementsprechend von uns ausgeschlossen werden will.“ Damit machten sich die Gothen mächtige Feinde: 1935 löste das Naziregime die Verbindung zwangsweise auf. Doch auch in den folgenden Jahren leisteten viele Gothen aufgrund ihrer christlichen Überzeugung aktiv Widerstand gegen den NS-Staat.

Widerstand gegen den Unrechtsstaat
Einer von ihnen war Dr. Ernst Döhling: Der Jurist vertrat in den Jahren 1935 und 1936 jüdische Mitbürger als Anwalt und wurde daher in die sogenannte „Judenknechte-Kartei“ aufgenommen. 1939 wurde Döhling in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Döhlings Familie beim Bombenangriff auf Würzburg vollständig ausgelöscht wurde, kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er als „Philistersenior“, also als hervorgehobener Repräsentant der Verbindung, beim Wiederaufbau der Gothia half. 1953 wurde Döhling auf dem Hauptfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.

Heute hat die Studentenverbindung 376 Mitglieder. Zentrum des Verbindungslebens ist das Haus in der Rottendorfer Straße 26, das 1956 von den Gothen erworben wurde. Übrigens zeichnet die bewegte Geschichte dieses Gebäudes das Schicksal der Verbindung nach: Die Ende der 20er Jahre erbaute Villa hatte einst dem jüdischen Apotheker Max Mandelbaum gehört. 1939 wurde Mandelbaum gezwungen, nach Amerika auszuwandern, und musste seine Villa für einen Spottpreis an den mainfränkischen NS-Gauleiter Otto Hellmuth verkaufen. 1949 wurde das Anwesen an Mandelbaum zurückgegeben, der es seinerseits an die Gothia verkaufte.

Das Verbindungsleben im Jahresablauf ist gekennzeichnet durch eine Fülle an gemeinschaftlichen Veranstaltungen, wissenschaftlichen Vorträgen und einem regen Austausch mit anderen Verbindungen. Der aktuelle Philistersenior, Dr. Peter Motsch, ist besonders stolz darauf, dass sich in jedem Semester regelmäßig neue Studenten der Verbindung als „Füchse“ anschließen, damit ganz bewusst einem lebenslangen Bund beitreten und so die „Gothia“ stets jung erhalten.
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