Gegenwind für externe Berater des Stadtrats

Mit ein Grund für die Gründung der KoSA war die hitzige Diskussion um das Forum-Gebäude auf dem Unteren Markt.

CSU-OB-Kandidat Schuchardt: Kommission für Stadtbild und Architektur abschaffen?

Ob man es Petrini-Haus, Forum oder einfach das Kundenzentrum einer Bank nennen mag: Das Gebäude am Unteren Markt wurde in der Öffentlichkeit sehr  intensiv und kontrovers diskutiert. Nachdem auch im Rathaus, besonders im Stadtrat der Frust über die Platzgestaltung nicht mehr zu überhören war, wurden die Kommunalpolitiker aktiv: Die Geburtsstunde der KoSA schlug, der „Kommission für Stadtbild und Architektur“. Berater mussten her, hochkarätige und auswärtige. Heute, kaum drei Jahre, nachdem die Stadträte und Verwaltungsspitzen Beratungsbedarf erkannt hatten, scheint sich der Wind wieder zu drehen.
Wieder wird gemäkelt – nur mit (vordergründig) umgekehrtem Hintergrund. Auf einmal gibt es im Stadtrat Stimmen nach dem Motto: „Der Beirat leistet gute Arbeit, dennoch wollen wir ihn nicht, denn wir sind die gewählten Stadträte und können das selber entscheiden“. Oder: „Wozu brauchen wir Professoren aus Berlin, Hamburg oder München? Die kennen unsere Stadt nicht und kosten nur Geld“. Ihre Namen wollen die kritischen Stadträte in der Zeitung nicht genannt wissen.
Vorgängerin der KoSA war der „Baukunstbeirat“, bestehend aus Würzburger Architekten. Dass Gerüchte über eine angebliche Abhängigkeit der Architekten vom Rathaus in die Welt gesetzt wurden, so der damalige Vorsitzende Gerhard Grellmann auf Anfrage, hätten die Mitglieder des Beirats als „ihrer Arbeit nicht angemessen“ gefunden:  Der Beirat trat zurück, um dem Stadtrat freie Hand für eine Neubesetzung zu geben. Was dieser nicht tat - dafür ließ man Zeit verstreichen, bis Ende Oktober 2009 die KoSA ins Leben gerufen wurde. Zwischendurch wurden das Petrini-Haus und die Sanierung des Marktplatzes fertiggestellt.
CSU-OB-Kandidat Christian Schuchardt erklärte dieser Zeitung: „Die Arbeit der KoSA gehört auf den Prüfstand“. Er sieht „Interessenkonflikte“ bei Stadtratsmitgliedern, die in der KoSA mitwirken und in den Stadtratsgremien entscheiden müssen: „Diese müssen unabhängig entscheiden können“. Er könne sich auch anstelle einer dauerhaften Kommission vorstellen, „bei Bedarf im Einzelfall einen Gutachter zu bestimmen.“
SPD-OB-Kandidat Muchtar Al Ghusain, selber KoSA-Mitglied, hält die Kommission dagegen für ein sehr sinnvolles Instrument: „Expertisen von Fachleuten, die von außen kommen,  sind für uns ganz wichtig. Die KoSA darf deshalb auf keinen Fall abgeschafft werden“. Ähnlich sieht dies Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart: „Ich halte die KoSA für eine ausgesprochene Bereicherung für unsere Stadt“. Sie schaffe Transparenz bei den Planungen. Ihre „beratende Funktion“ lasse den Stadtratsgremien immer Entscheidungsspielraum: „Ich sehe da keinen Interessenkonflikt“. Zudem kämen zunehmend  Architekten und Bauherren bereits im Vorfeld ihrer Bauvorhaben auf die Kommission zu, um sich beraten zu lassen: „Das zeigt, es ist ein gutes Verfahren.“

KASTEN KoSA tagt öffentlich
Vier Mal jährlich soll sich das Gremium in Würzburg treffen, um „projektbezogene Empfehlungen und Anregungen an den Stadtrat zu geben“. Das betrifft insbesondere Bauvorhaben mit Stadtbild prägendem Charakter, städtebaulich bedeutsame Freiflächenplanungen sowie Veränderungen an historisch und künstlerisch wertvollen Straßen und Plätzen.
Der KoSA gehören Oberbürgermeister (Vorsitzender), Baureferent und Kulturreferent,   diverse Stadträte und auch der Stadtheimatpfleger an, sowie „fünf freiberufliche, überregional anerkannte Architekten und eine Landschaftsarchitektin. Heute umfasst das Gremium 21 Mitglieder, einschließlich Experten ohne Stimmrecht.
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