Gefährdet Personenunterführung im Bahnhof dasTrinkwasser?

BU Das Wasserwerk der Trinkwasserversorgungs-GmbH in der Bahnhofstraße pumpt Wasser der Bahnhofsquellen in das Werk, wo es aufbereitet wird und durch die Versorgungsleitungen zu den Abnehmern weitergepumpt wird. (Foto: Stadtwerke Würzburg)
Würzburg Im Frühjahr 2018 soll die Würzburger Landesgartenschau eröffnet werden. Nachdem der Bau der Straßenbahnlinie Linie 6 zum Hubland inzwischen tief im Aktenkeller schlummert, ist zumindest – inzwischen – allen Beteiligten, Bundesbahn, Freistaat und Stadt/Stadtwerke klar, dass die Personenunterführung zu den Gleisen des Würzburger Bahnhofs bis zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt sein soll. Mit dem Bau kann allerdings erst begonnen werden, wenn auf dem Gelände der Stadtwerke in der Bahnhofstraße eine Trinkwasseraufbereitungsanlage errichtet worden ist. Mit dem Bau beginnen will die Bahn im Mai/Juni 2016.

Nach Probebohrungen im Bahnhofsbereich
In einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der Trinkwasserversorgungs-GmbH Würzburg (TWV), Armin Lewetz, wurde deutlich, dass die Probebohrungen auf dem Bahnhofsgelände über den Quellen im Laufe dieses Jahres gezeigt haben, dass „ohne Wasseraufbereitungsanlage die Sicherheit der Trinkwasserversorgung aus den Bahnhofsquellen in Würzburg während der Bauzeit nicht gewährleistet werden kann. Es kann sehr wohl sein, dass irgendwelche Verunreinigungen in wasserführende Gesteinsschichten gelangen“. Für die Unterführung selbst soll eine Wanne gebaut werden.

Bürger und Politik brachten Schwung ins Geschäft
Unterschiedliche Interessen der Beteiligten haben dann im Lauf des Jahres nahezu zu einem Stillstand der Planungen und zu Wallungen im emotional aufgescheuchten Miteinander geführt. Der Einsatz bayerischer Politiker und durchaus auch die Reaktionen vieler Würzburger Bürger haben dann letztlich wieder Schwung in das Projekt gebracht. Fürderhin wurde mehr mit gemeinsamen Zielvorstellungen geplant: Die Personenunterführung soll bis zur Landesgartenschau fertig sein. Lewetz sagte in diesem Zusammenhang, dass die Planungen der Stadtwerke für die Aufbereitungsanlage „weit fortgeschritten“ seien.

Standort für die Trinkwasseraufbereitungsanlage
Das Projekt wurde in diesen Tagen Gremien der Werke vorgestellt. Dabei ging es um eine schwierige Fragestellung. Das Problem war: Suche eines geeigneten Standorts für die Aufbereitungsanlage. Dazu musste ein Gebäude gefunden oder müsste gebaut werden, das eine Fläche von 30-35 Metern und eine Höhe von acht Metern hat. Kriterien waren da beispielsweise eine möglichst unmittelbare Nähe zu den Quellen, die Nähe zu einem Kanal, zur Pleichach und einen möglichst kurzen Transportweg zu der Aufbereitungsanlage. Da waren interessante Standorte im Gespräch, beispielsweise im Glacis am Bahnhof. „Der jetzige Standort“, so Lewetz, sei „aber durchaus ideal“.

Dieses Gebäude, unter Denkmalschutz stehend, an der Grenze des Stadtwerkeareals zur Wallgasse hin stehend, habe zudem „einen gewissen Charme“: „In diesem Gebäude begann am 1. April 1899 die Würzburger Stromerzeugung. Dampfmaschinen begannen, die ersten stromliefernden Generatoren anzutreiben. „Heute wird das Gebäude als Lager genutzt. Jetzt hauchen wir dem historischen Gebäude neues Leben ein“.

Bahnhofsquellen versorgen 25 Prozent der Bevölkerung
Doch die Wasserleute haben die Gelegenheit am Schopf gepackt und der circa acht bis zehn teuren Millionen Euro Anlage, die durch den Freistaat gefördert wird, eine weitere Dimension gegeben. Neben der wichtigen Funktion, während des Baues der Unterführung das Wasser der Bahnhofsquellen zu schützen und theoretisch die Anlage wieder abzubauen wuchs die Erkenntnis, dass die Quellen unmittelbar neben und unter den Gleisen sprudeln. Unter dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ wurde gegen den Wiederabbau ins Feld gebracht, dass „in jedem Bahnhof ein gewisses Gefährdungspotential für die Umwelt durch mögliche Unfälle besteht und dies schließen wir heute aus, wenn wir die Anlage weiter nutzen.“ Die Bahnhofsquellen versorgen rund 25 Prozent der Bevölkerung der Stadt mit Wasser.

Finanzierungsfrage noch offen
Noch nicht geklärt ist wohl, wer die Millionen kostende Aufbereitungsanlage letztlich bezahlt, wer der Eigentümer ist, wer sie betreibt. Zwischen den Beteiligten wird deshalb über einen entsprechenden Vertrag gesprochen. Klar ist wohl auf jeden Fall, dass die Bundesahn die Personenunterführung bauen muss und dies ohne die Aufbereitungsanlage nicht geschehen kann. Diese Auflage findet sich dem Vernehmen nach in einem entsprechenden Beschluss des Eisenbahnbundesamtes für das Würzburger Projekt Personenunterführung. –ser
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