Für das Denkmal Mozartgymnasium kann es jetzt ernst werden - Verschwindet Zeugnis einer Epoche der Stadt?

Im Foyer des ehemaligen Gymnasiums - Eingang Hofstraße - liegen Unterschriftslisten für das Volksbegehren aus, zudem in einer Reihe von Geschäften. Jörg Töppner (Bild) ist der Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet das MOZ“.
Seit Weihnachten kämpft die Bürgerinitiative (BI) „Rettet das MOZ“ aktiv dafür, dass das Gebäude des ehemaligen Mozartgymnasiums nicht abgerissen wird und im Angesicht der Residenz kein – wie offensichtlich geplant – „gesichtsloser Beton- und Glasklotz“ darauf gebaut wird: „Ein massiver maximal ökonomisch konzipierter Blockbau“, sagt der Sprecher der Initiative, Jörg Töppner. Die BI sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren mit dem Ziel über den Abriss und die darauf folgenden Neubebauung des Geländes einen Bürgerentscheid herbeizuführen und will dafür bis etwa Ende Februar rund 6.000 Unterschriften zusammenbringen. Unterschriftslisten liegen in vielen Geschäften aus und im Foyer der ehemaligen Schule – Eingang Hofstraße (Internet: www.das-moz.de.).

Würzburgs Geschichte in einer Straße
Die Hofstraße, zwischen Dom und Residenz: „An dieser kurzen Achse liegen Zeugnisse aus sämtlichen Epochen der Würzburger Stadtgeschichte“. Nachzulesen in der Bewerbungsmappe, mit der die Stadt vergeblich in das Rennen um den Standort Würzburg für ein Museum der Bayerischen Geschichte gegangen ist. Im Juli 2011. Im Angebot der Stadt war das frühere Mozartgymnasium, gelegen an der Hofstraße, aufgrund des Standorts und seiner Architektur Zeugnis einer Epoche Würzburgs. Schon vier Jahre zuvor hat der Stadtrat beschlossen, das Gebäude abzureißen. Das Rennen um das Geschichtsmuseum misslang. Flott ging es an das Ziel Verkauf um ca. zehn Millionen Euro und Bebauung mit einem Kaufhaus.
Deshalb, sagt BI-Sprecher Jörg Töppner, weil das, was durch den Verkauf des Mozartareals durch die Stadt und die neue Bebauung geschehen wird, ohne jegliche Beteiligung der Bürgerschaft durchgeführt werde. Inzwischen ist das Verfahren von der Ausschreibung des Projekts 2012 bis zum heutigen Tag soweit vorangeschritten, dass sich der Stadtrat - nichtöffentlich – auf einen Bewerber geeinigt hat und mit diesem nun in konkrete Verhandlungen treten muss. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der bayerische Denkmalschutz sich mehrmals gegen den Abriss ausgesprochen hat – zuletzt in der Süddeutschen Zeitung v. 09.10.2013: „Wir fordern einen vollständigen Erhalt der Mozartschule“, so Johannes Greipl, damals noch Generalkonservator. Auch die UNESCO will wegen des Weltkulturerbes kritisch Einblick nehmen in das, was die Stadt dem Bewerber in der Schutzzone (Pufferzone) um die Residenz genehmigen will. Beispielhaft ist in dieser Hinsicht der Vorgang vor Jahren in Dresden: Die Stadt bekam den Titel Weltkulturerbe aberkannt, weil sie entgegen den Vorstellungen der UNESCO eine Brücke über die Elbe baute, was dem Stadtbild schade.

"Da ist Power drin."
So war der Beschluss des Stadtrats zu Verhandlungen mit einem konkreten Bewerber gleichzeitig der Startschuss für die BI in Richtung Bürgerentscheid. Töppners Meinung nach stört dabei auch die im März in anstehende Kommunalwahl nicht. Im Gegenteil: „Bei dieser Wahl ist einiges an Power drin“. Die Aktionen der BI, die Werbung für den Erhalt des denkmalgeschützten Objektes Mozartschule träfen heute auf offenere Ohren der Bürger als noch vor zehn Jahren. Tausende, die bis 2001 noch das attraktive Gymnasium (Logo: „Das Markenzeichen war ein angstfreies und ungezwungenes Schulklima“, schrieb der Autor Josef Zinsler in einem Artikel zum 60. Geburtstag der Schule) besuchten, würden sich daran und an ihre Schule als Teil ihrer Identität mit ihrer Stadt sicherlich in gutem Sinne erinnern. Die Bürgerinitiative will das Gebäude saniert und für „Bildung und Kultur“ genutzt sehen.
Zudem, so Töppner, sei der BI der Wahlkampf „herzlich willkommen“. In Würzburg gebe es für die Kommunalwahl Listen und Oberbürgermeisterkandidaten, die den Erhalt des Mozartgymnasiums befürworten, so die Ökologisch-Demokratische Partei, ödp, die Gruppe „Würzburg21/die Linke“ oder “Zukunft für Würzburg“, die jüngste überparteiliche Gruppierung um den Würzburger Rechtsanwalt Wolfgang Baumann.
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