Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit bringen

Wie gelingt die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit? Darüber diskutierten (v.l.) Bodo Ziegler (floor-concept GmbH, Höchberg), Mohammad Haidari (Auszubildender floor-concept GmbH, Höchberg), Moderatorin Maria Saemann (TV Touring), Karin Jung (Arbeitgeber-Service Agentur für Arbeit Schweinfurt), Richard Paul (Agentur für Arbeit Würzburg), Frank Firsching (Deutscher Gewerkschaftsbund Region Unterfranken), Wolfgang Fieber (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. Bezirksgruppe Unterfranken) (Foto: Rudi Merkl)
Gut 200 Zuhörer kamen zur Informationsveranstaltung „Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit“ der Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“ in die IHK-Geschäftsstelle in Schweinfurt. In einer Gesprächsrunde diskutierten die Allianzpartner, wie Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Fachvorträge behandelten rechtliche Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten der Behörden, Vertreter aus Schule und Unternehmen berichteten über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen.
Eine schnelle Integration von Flüchtlingen kann nur gelingen, wenn die Menschen in Arbeit, Ausbildung oder in Qualifizierungsmaßnahmen gebracht werden. Darüber herrschte Konsens in der Gesprächsrunde der Partner der Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“.

Erfahrungsberichte aus der Praxis
Von den rund 15.000 Flüchtlingen, die in Unterfranken leben, ist etwa die Hälfte jünger als 25 Jahre. Die meisten gehen in die Schule, besuchen Übergangsklassen an den allgemeinbildenden Schulen oder sogenannte Berufsintegrationsklassen an den mainfränkischen Berufsschulen. Davon gibt es mittlerweile mehr als sechzig. Sie bereiten junge Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren in zwei Jahren Vollzeitbeschulung auf den Übergang in den Arbeitsmarkt vor.

Uwe Tutschku, Schulleiter der Franz-Oberthür-Berufsschule Würzburg, verantwortet seit diesem Schuljahr acht solche Klassen: „Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Spracherwerb.“, so der Schulleiter. „Das Wichtigste ist, dass die Schüler nach den zwei Jahren den Mittelschulabschluss erreichen und dann eine Anschlussbeschäftigung finden, sei es eine Ausbildung, der direkte Weg in den Arbeitsmarkt oder eine weiterführende Schule.“ Das sei aber nicht einfach, denn die Schüler bräuchten auch nach dem Abschluss weiterhin Unterstützung. Diese wollen zukünftig die Wirtschaftskammern in der Region verstärken. Mit Willkommenslotsen und Ausbildungsakquisiteuren für Flüchtlinge begleiten die Handwerkskammer für Unterfranken und die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt den Matchingprozess zwischen Flüchtlingen und Betrieben. Die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. bietet über ihr Bildungswerk bbw unter anderem Workshops für Ausbilder zum Umgang mit Flüchtlingen in Praktika und Ausbildung an.

Dr. Elisabeth Müller, Geschäftsführerin der Laboklin GmbH & Co. KG aus Bad Kissingen, die eine Biologielaborantin ausbildet, und Bodo Ziegler, Geschäftsführender Gesellschafter der floor-concept GmbH in Höchberg, der seinen Azubi zum Parkettleger, Mohammad Haidari, mitbrachte, berichteten über ihre Erfahrungen mit der Ausbildung von Flüchtlingen. Die Auszubildenden besuchten im Vorfeld die Berufsintegrationsklassen an der Berufsschule und fanden dann den direkten Einstieg in die Ausbildung. „Der Weg zur Fachkraft ist nicht einfach“, sagt Bodo Ziegler. „Obwohl mein Azubi sehr motiviert und engagiert ist, braucht er natürlich mehr Hilfe und muss mehr büffeln als andere Auszubildende. Das Ziel ist die erfolgreiche Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung.“ Mohammad Haidari ist seinem Ausbildungsbetrieb für die Unterstützung sehr dankbar und hofft auf eine Zukunft in Deutschland. Auch Dr. Müller würde die Entscheidung, Flüchtlinge zu beschäftigen, wieder treffen. Sie wünsche sich aber weniger bürokratische Hürden und einfachere Verfahren.

Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“
Auf Initiative der IHK entstand 2012 die Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“ bestehend aus der Agentur für Arbeit Würzburg, der Agentur für Arbeit Schweinfurt, der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, der Handwerkskammer für Unterfranken, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Bezirksgruppe Unterfranken, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Region Unterfranken sowie der Region Mainfranken GmbH.
Die Akteure wollen gemeinsam die Region Mainfranken im Wettbewerb um Fachkräfte, Wachstumspotenzial und Innovationsfähigkeit voran bringen, sie unterstützen die regionalen Unternehmen bei der Fachkräftesicherung.
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