Fehler mit tödlichen Folgen: Neues Forschungsprojekt mit der Uni Würzburg

Eine Krankenschwester auf einer Intensivstation, eine elektronisch gesteuerte Patientenpuppe und eine Schwester, die ihre Kollegin immer wieder unterbricht: So sieht das Versuchsszenario der neuen Studie aus. (Foto: Matthew Thompson)
Das weiß doch jeder: Wer bei der Arbeit oft unterbrochen wird, macht mehr Fehler. Wissenschaftlich bewiesen ist diese Aussage nicht unbedingt. Ob etwas dran ist an diesem Glauben, untersucht ein neues australisch-deutsches Forschungsprojekt. Daran beteiligt ist ein Psychologe der Uni Würzburg.
Das Telefon klingelt, Outlook signalisiert den Eingang einer neuen Mail, der Kollege hat eine Frage. Unterbrechungen gehören zur Arbeit wie das Schnitzel zur Speisekarte der Betriebskantine. Und wohl jeder stimmt der Aussage zu: Unterbrechungen stören den Arbeitsablauf, verzögern Projekte und ziehen Fehler nach sich. Aber stimmt das überhaupt?
Wissenschaftler aus Australien, den USA und Deutschland gehen in einem neuen Forschungsprojekt der Frage nach: Verursachen Unterbrechungen Fehler? Mit daran beteiligt ist Dr. Tobias Grundgeiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie der Uni Würzburg.
In ihrer Studie konzentrieren sich die beteiligten Wissenschaftler auf Krankenschwestern und -pfleger. „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Pflegepersonal in Krankenhäusern im Durchschnitt alle drei Minuten in seiner Arbeit unterbrochen wird. Alle acht Minuten müssen die Schwestern und Pfleger tatsächlich den Vorgang unterbrechen, mit dem sie gerade beschäftigt sind“, sagt Tobias Grundgeiger.

Todesursache Unterbrechung?
Schlimm genug, dass es deshalb deutlich länger dauern kann, bis eine Arbeit erledigt ist. Viel schlimmer wiegt jedoch die Befürchtung, dass Unterbrechungen häufig auch Fehler nach sich ziehen – Fehler, die gerade im Krankenhaus gravierende Auswirkungen haben können. Immerhin sterben nach einer aktuellen Studie allein in Deutschland jedes Jahr 17.000 Patienten im Krankenhaus durch vermeidbare Fehler. In den Krankenhäusern der USA sind Behandlungsfehler die dritthäufigste Todesursache.
Die Forscher wollen klären, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Störungen und Fehlerhäufigkeit gibt. Zum Einsatz kommt dabei das reale Abbild einer Intensivstation, auf der sich ein Patient befindet. Geräte, Mobiliar, Medikamente: Alles entspricht exakt dem Vorbild im Krankenhaus; allein der Patient wird durch eine elektronisch gesteuerte Patientenpuppe ersetzt, die viele Funktionen besitzt, die sie möglichst menschenähnlich macht. In diesem Umfeld bekommt eine echte Krankenschwester diverse Aufträge und wird bei deren Erledigung von einer zuvor instruierten Kollegin immer wieder unterbrochen. Per Videokamera beobachten die Wissenschaftler das Geschehen und registrieren jeden Fehler.
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