Fairer Kaffee macht die Welt ein bisschen besser

Bischof Friedhelm Hofmann prüft Kaffeebohnen auf einem Trockengestell. (Foto: Foto Bernhard Schweßinger (pow))
Der Verein Würzburger Partnerkaffee meldet einen neuen Rekord: 58 Tonnen fair gehandelter Röstkaffee sind im Jahr 2014 verkauft worden. Seit Jahren steigen die Verkäufe - bei der Gründung des Vereins 1998 hatte der Kaffeeabsatz noch 20 Tonnen betragen. Das ist auch gut für die sozialen Projekte, die der Verein in Tansania betreibt. Der Partnerkaffee wird nämlich nicht nur für einen fairen Preis verkauft; bei jedem Kilo bezahlt der Verbraucher zusätzlich einen Solidaritätsbeitrag von 38 Cent.

So kamen im letzten Jahr weitere 49.000 Euro zusammen, mit denen die Kaffee-Kleinbauern weiter unterstützt werden. „Wir setzen mit unserer Arbeit die ‚Globalisierung der Solidarität‘ um, von der Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga beim Diözesanempfang gesprochen hat“, sagt Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Hein-Rothenbücher.

Wassertank und Krankenversicherung
Vom ausgeschütteten Solidaritätsbeitrag profitierten auf Antrag von Mwanza e.V. die Victoria Schools in Mwanza mit 9.000 Euro, auf Antrag der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) die Lepra-Kontaktuntersuchungen und Medikamentenprophylaxe in Tansania mit 700 Euro. Der Weltladen vermittelte 800 Euro für den Wassertank in der Pfarrei Igawchanya, das Missionsärztliche Institut 900 Euro an die Pharmazieschule Kilimandscharo. Über den Afrika-Club wurden 10.000 Euro für ein Programm zur Reaktivierung des lokalen Basisgesundheitsdiensts des Krankenhauses Litembo weitergeleitet. 5.000 Euro gibt der Partnerkaffee an die Kleinbauern im Bistum Mbinga zur Fortführung einer genossenschaftlichen Krankenversicherung.

Auch für Wolfgang Popp, Leiter des Geschäftsbereichs Krankenhaus und Personal der Stiftung Juliusspital, hat sich der Wechsel hin zum Würzburger Partnerkaffee bezahlt gemacht. Die rund 10.000 Euro an Mehrkosten pro Jahr würden bewusst akzeptiert, weil man die positiven Auswirkungen in Afrika sehe. Dafür habe man auch die Anschaffung von Kaffeeautomaten und Brühstationen in Kauf genommen, die bislang von den kommerziellen Anbietern gleich mitgeliefert wurden. „Wir haben uns als Juliusspital dem nachhaltigen Wirtschaften und der Fairness gegenüber unseren Lieferanten und Kunden verpflichtet.“ Daher sei diese Entscheidung nur logisch und konsequent gewesen.

Als im wahrsten Sinne „preis-wert“ würdigte Michael Röhm von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) den Partnerkaffee angesichts der für die allermeisten Kaffeebauern negativen Auswirkungen der Globalisierung. Hier werde nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Ganz ähnlich sah es Mario Rothenbücher von der Commerzbank Würzburg. Seine Bank habe die Spekulation mit Lebensmitteln gänzlich aufgegeben und fühle sich dem fairen Handel verpflichtet. Als konkrete Umsetzung vor Ort serviere die Commerzbank den rund 35 Mitarbeitern in Würzburg jetzt den Partnerkaffee.

Riesen-Plantage „eine Katastrophe“
Doch den afrikanischen Kleinbauern droht neues Ungemach: Mit großer Sorge berichteten Partnerkaffee-Vorsitzender Hein-Rothenbücher und Geschäftsführer Veeh von ihrem jüngsten Besuch in Tansania. Rund 50 Kilometer vor Mbinga wurde kürzlich mit Geld eines internationalen Finanzinvestors eine 600 Hektar große Kaffeeplantage mit Tröpfchenbewässerung errichtet. „Ökologisch, sozial und ökonomisch ist das eine Katastrophe mit Ansage“, erklärten die beiden.

Dem Verein Würzburger Partnerkaffee gehören zwölf Organisationen an: Missionsärztliches Institut, Diözese Würzburg, evangelisches Dekanat Würzburg, Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe (DAHW), Afrikaclub, Weltladen, Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), Diözesan-Caritasverband, Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Stadt Würzburg, Mwanza e.V. sowie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Würzburg. (pow)
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