Ein Teilabriss als Teilerfolg?

Blick auf den Teilerhalt: Das "Hufeisen" des alten Gymnasiums
Würzburg In die Diskussion um die künftige Nutzung des Mozartareals ist Bewegung gekommen. So sieht dies der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Rettet das MOZ“, Jörg Töppner. Auf Initiative von Oberbürgermeister Christian Schuchardt hätte es Gespräche mit der BI gegeben, die, so Töppner auf einer Pressekonferenz, „Bewegung in die Diskussion“ gebracht hätten. Im Gespräch sei jetzt, dass die Bürger über das Bürgerbegehren der BI abstimmen und gleichzeitig über das Ratsbegehren der Stadt.

BI: "Halten an unserer Position fest"
Töppner macht allerdings deutlich: Die BI halte an ihrer bisherigen Position fest, nämlich die Gelände Mozartareal und Kardinal-Faulhaberplatz einer ökologisch/kulturellen Nutzung zuzuführen. Sie sollen nicht verkauft werden, um sie zu kommerzialisieren, sondern „eine Entwicklung zugunsten der Stadt und der Bevölkerung ermöglichen“. Die Stadt, so Töppner, „scheint gegenwärtig in ihrer Position unklar, so dass die Öffentlichkeit nicht weiß, in welche Richtung das Rathaus in Bezug auf das Mozartareal handeln will“.

Zwei Beratungen des Ältestenrats sorgten für Richtungsänderung der Stadt
Bei Beratungen im Ältestenrat (Mitglieder: die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen) soll es in den vergangenen Wochen nach zwei Sitzungen eine Tendenz dahingehend gegeben haben, dass der südliche Teil des alten Mädchengymnasiums, der hufeisenförmige Bau mit dem Eingang von der Hofstraße über die Freitreppe her, erhalten bleiben soll (Teilerhalt). Inzwischen hat der Oberbürgermeister diesen Gesinnungswandel im Rathaus bestätigt. Der Stadtrat muss dazu noch einen Beschluss fassen. Reaktionen seitens des potentiellen Investors, dessen Name die Spatzen von den Dächern der Stadt pfeifen, der aber geheim bleiben muss, zu diesem Erhaltungsziel sind nicht bekannt.

Den Teilerhalt der Schule verbucht die BI zwar einerseits als Erfolg. Andererseits will sie aber nicht von ihren viel weiter gehenden Zielen lassen, die während des Bürgerbegehrens ihr auch mit über 8.000 Unterschriften für den Bürgerentscheid als erstrebenswert bestätigt wurden. Die vier Pfeiler der BI für ein kulturelles Zentrum für Kultur und Bürgerschaft sind die Nutzung als „Empfangsort für Touristen und Gäste der Stadt“, als „Zentrum für das Weltkulturerbe Residenz“ (solche Zentren gibt es heute in Bayreuth, Regensburg und Bamberg), als „Ort für die städtische und bürgerliche Erinnerungskultur, zum Beispiel mit dem Schwerpunkt Wiederaufbau“, und als „Forum für die kulturellen und politischen Interessen der Zivilgesellschaft in Würzburg“.

Finanzierung: "Wo ein politischer Wille ist, finden sich auch Wege"
„Wir wollen das gesamte Denkmal erhalten - das kann man nicht einfach teilen - und dort eine moderne Entwicklung für die Stadt einleiten“, sagte Töppner. Dazu gehöre auch die Zukunft des Kardinal-Faulhaber-Platzes. Anstatt mehr Autos in die Innenstadt zu leiten und damit die ohnehin ungewöhnlich hohe Luftbelastung weiter zu verschlimmern, gelte es, „den Platz in moderner urbaner Qualität mit Brunnen, Bäumen und Bänken zu einen Platz zu entwickeln und nicht am Konzept aus dem 20. Jahrhundert festzuhalten“. Auf eine Frage nach der Finanzierung der Ziele der BI sagte Töppner: „Wo ein politischer Wille ist, finden sich auch Wege“. Der BI-Vorsitzende könnte sich vorstellen, dass zu diesen Fragestellungen – wie in anderen Stadtteilen auch, etwa auf dem Heuchelhof und dem Hubland – Bürgerwerkstätten eingerichtet werden mit dem Ziel, die Menschen an den Planungen zu beteiligen. Der Plan der Stadt sieht vor, dass auf dem Platz ein fünfstöckiges Gebäude mit Tiefgarage und Ladengeschäften sowie Büros gebaut werden kann.

Bislang will die Stadt entsprechend der Ausschreibung zur Veräußerung des gesamten Projekts gegenüber der Residenz sowohl das Mozartareal als auch den Kardinal-Faulhaber-Platz an einen Investor zu verkaufen und damit rund zehn Millionen Euro erwirtschaften. Zur Nutzung hat sie Neubauten mit Tiefgaragen vorgegeben mit Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnungen. Der Teilerhalt mit dem Nichtabriss des ältesten Teils der ehemaligen Mozartschule wird die gesamte Situation verändern. Das Mozartgymnasium steht unter Denkmalschutz und kann auf Grund dessen nicht ohne weiteres abgerissen werden. (ser)
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