Ein Job, der zufrieden macht

Diana Apinis, Sebastain Barnickel und Constanze Söldner vom IPT - Intensivpflegeteam in der WG in Würzburg.
 
Die IPT-Sozialbetreuerin mit einem Bewohner der WG in Würzburg.
 
IPT-Pflegekräfte beim Dokumentieren in der Intensivpflege-WG in Würzburg.

Als Pflegekraft einer Wohngemeinschaft für ambulante Intensivpflege

Rockmusik tönt aus dem großen Fernseher im Aufenthaltsraum – auf Wunsch von Herrn S., der seit kurzem der vierte Bewohner in der Wohngemeinschaft ist. In seinem Zimmer hängen Fotos seiner beiden kleinen Nichten an der Wand, es liegen Magazine und Bücher auf einem Tischchen. Seine Schwester hat ihm geholfen, das Zimmer so einzurichten, wie er es mag. Nur die Beatmungsmaschine neben seinem Bett und die Flasche mit Desinfektionsmittel an der Tür erinnern daran, dass das keine gewöhnliche WG ist, sondern eine für Intensivpflege.

Hier leben zurzeit vier Personen, die aufgrund von Erkrankungen oder Unfall Hilfe beim Atmen brauchen und daher eine 24-Stunden-Versorgung durch einen Pflegedienst benötigen. Die Versorgung übernimmt das IPT-Intensivpflegeteam, das hier mit zwei Fachkräften und einer Pflegehelferin pro Schicht vor Ort ist und das rund um die Uhr. Die WG, in die sich bis zu sieben Personen einmieten können, gibt es erst seit Sommer und ist die erste ihrer Art in der Stadt und die dritte im Landkreis Würzburg.

Als Alternative gebe es für diese Menschen eine 1:1-Versorgung zu Hause. Doch viele haben nicht die passenden Räumlichkeiten zu Hause, um Pflegebett und Pflegebad unterzubringen. Außerdem gestaltet sich der soziale Austausch mit anderen meist schwierig. Anders hier: Die IPT nennt dieses Konzept „Gepflegtes Wohnen“ und meint damit, dass die Bewohner hier in einem individuell eingerichteten Zimmer ein Zuhause gemeinsam mit anderen haben und über ihren Alltag selbstbestimmt entscheiden können.

„Wir kümmern uns um alle ihre Bedürfnisse“
Soweit es ihr Wohlbefinden zulässt, verbringen die Bewohner Zeit zusammen im großen Aufenthaltsraum, der mit seiner Einrichtung, dem warmen Licht und den großen Bildern eher wie ein Wohnzimmer wirkt. Die Atmosphäre wirkt entspannt. Die Pflegekräfte scherzen miteinander, tauschen Informationen aus und dokumentieren fleißig, wenn sie nicht gerade einer pflegerischen Tätigkeit nachgehen. Zu ihren Aufgaben gehören die tägliche Pflege, Lagerung und Mobilisierung ebenso wie die Ernährung über eine Sonde, Verbandswechsel, bei Bedarf Schlucktraining, das Pflegen der Atmungswege und angeleitet von Therapeuten logopädische und ergotherapeutische Übungen. „Wir kümmern uns um alle ihre Bedürfnisse“, erklärt die Krankenschwester und Teamleiterin Constanze Söldner „und ihr Wohl steht an erste Stelle.“

Sie lieben ihre Arbeit, sie helfen gerne und gehen darin auf. Und sie alle hatten eine klare Vorstellung davon, wie sie arbeiten möchten. Nach Stationen unter anderem im Krankenhaus, im Alten- und Pflegeheim, gelangten sie alle zur ambulanten Intensivpflege. „Hierin hatte ich die größte Hoffnung, Zeit für den Patienten zu haben, mit ihnen reden zu können und die Pflege so umzusetzen, wie ich es mal gelernt habe“, erklärt Krankenpfleger Sebastian Barnickel „und hier habe ich das so vorgefunden, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Einer der wichtigsten Faktoren ist Zeit, erklärt Söldner. Von ihr hatten wohl alle immer wieder zu wenig in ihren ehemaligen Stellen. „Das hier ist genau das,
„Wir lachen und weinen mit den Bewohnern.“ was ich immer machen wollte, die Verbindung zwischen Pflege und Alltagsbetreuung, bei der der Mensch im Ganzen gesehen wird. Im Krankenhaus wird die Krankheit behandelt, im Altenheim wird durchgehetzt, aber hier haben wir Zeit für die Patienten aufgrund des Stellenschlüssels von 1:2,5“, erklärt die 38-Jährige.

„Wir lachen und weinen mit den Bewohnern.“
Bei so intensiver Betreuung bauen Bewohner und Pflegekräfte eine enge Bindung zueinander auf. Söldner beschreibt das so: „Wir lachen und weinen mit den Bewohnern.“ Zu ihrem Beruf gehört auch der Tod und Sebastian Barnickel bekümmerte es sehr, im Krankenhaus nie genug Zeit für die Patienten gehabt zu haben. „Hier haben wir die Möglichkeit uns die komplette Zeit ans Bett des Menschen zu setzen, ihn nochmal gründlich zu pflegen und ihm das Gehen so leicht wie möglich zu machen“, beschreibt der 32-Jährige seine Erfahrungen.

Während des Gesprächs kommt auch der Bewohner Herr T. an den Tisch. Er hat einen Luftröhrenschnitt, kann aber selbstständig atmen. Er erzählt von seinen Berufsjahren und die Sozialbetreuerin Diana Apinis zückt sofort Stift und Block, auf dem sie alles mitschreibt. Dabei beobachtet sie ihn ganz genau und schenkt ihm volle Aufmerksamkeit. Mit dieser sogenannten Biografiearbeit erarbeitet sie, was die Bewohner früher gearbeitet haben und was ihre Hobbys sind. So kann sie daran anknüpfen und ihnen diese Dinge wieder ermöglichen. „Ich verhelfe den Menschen so zu etwas, das ihnen Freude bereitet“, sagt die 23-Jährige. Das kann regelmäßiges Spazieren gehen im Park sein, ein Fußballspiel in der Allianz Arena, Schwimmbadbesuche, Ausflüge und sogar Urlaubsreisen. „Wenn die Menschen von früher erzählen, merkt man wie sie dabei aufblühen und agiler werden. Die Menschen haben sehr viel erlebt und freuen sich besonders, wenn sich jemand dafür interessiert“, erklärt Barnickel.

Empathie, Feinfühligkeit und Verständnis
Für die Sozialbetreuer gestaltet sich die Arbeit in der Intensivpflege-WG sehr vielseitig. So kümmern sie sich um das Organisatorische für die Bewohner, gehen für sie einkaufen, spielen mit ihnen und unterstützen sie darin, sich in der WG einzugewöhnen. Mit Gruppenangeboten und Einzelbeschäftigungen helfen sie ihnen, ein Leben so normal und angenehm wie möglich zu gestalten. Empathie, Feinfühligkeit und Verständnis sind daher Grundvoraussetzungen für diesen Job, sagt Apinis. „Und Teamfähigkeit, ergänzt Barnickel, „denn man arbeitet nicht nur mit anderen Pflegekräften zusammen, sondern auch mit Ärzten und Therapeuten und man hat mit den Angehörigen viel zu tun. Hier in der WG sind alle aufeinander angewiesen.“

„Als Berufsplan B oder C funktioniere dieser Job daher nicht, man muss dafür geboren sein, denn nur so kann man gut pflegen“, erklärt Krankenschwester Nicole Waldmann. Für die 27-Jährige war schon früh klar, was sie werden will: „Ich habe meiner Puppe schon als Kind Pflaster aufgeklebt. Und das hat sich über die Jahre gefestigt. Nach einem Praktikum war es absolut klar, dass ich Krankenschwester werde“, erklärt sie und fügt hinzu: „Und ich bereue es überhaupt nicht.“ Sebastian Barnickel ist mit Pflege aufgewachsen, da er zwei behinderte Geschwister hat. Außerdem fügt er lachend hinzu sei ihm „lieber Stuhlgang, der bis zum Himmel stinkt, als acht Stunden im Büro sitzen zu müssen“.

Nicole Waldmann schätzt bei vor allem das Rundumprogramm, das sie hier den Menschen schenken kann. Daher sind für sie auch die Zwölf-Stunden-Dienste von Vorteil, denn sie fühle sich nicht mehr so abgehetzt. Auch für die anderen gestaltet sich die lange Schicht als Vorteil, da sie so drei oder vier Dienste die Woche haben und die restlichen Tage frei. „Ich bin nach der Schicht schon k.o., aber auch sehr zufrieden mit mir, denn ich habe alles machen können und die Bewohner sind zufrieden. Das ist für mich ein erfolgreicher Tag“, sagt Barnickel.
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