Ebola: Nachlässigkeit kann tödlich sein

Norbert Gresser demonstriert beim Ebola-Workshop des Missionsärztlichen Instituts, wie der richtige Sitz des Schutzanzugs geprüft wird. (Foto: Elke Blüml, Missionsärztliches Institut)

Norbert Gresser ist penibel, denn der kleinste Fehler kann tödlich sein. Wer mit Ebola-Patienten in Kontakt kommt und den Schutzanzug nicht korrekt angelegt hat, bezahlt das im schlimmsten Fall mit dem Leben

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„Präzision vor Schnelligkeit“ lautet der Ratschlag des Anästhesie-Intensivpflegers an die 25 Frauen und Männer aus ganz Deutschland, die zum Ebola-Workshop des Missionsärztlichen Instituts nach Würzburg gekommen sind. Viele von ihnen wollen wissen, was zu tun ist, wenn sie als Ärzte oder Pfleger einen Patienten mit Verdacht auf Ebola in die Klinik eingeliefert bekommen – und einige stehen kurz vor einem Einsatz in Westafrika, wo sich das tödliche Virus immer rasanter ausbreitet.

Weil die Praxis mindestens so wichtig ist wie die Theorie, zeigt Gresser an einer Teilnehmerin, was beim Anlegen des gelben Kunststoff-Overalls zu beachten ist: Die Kapuze muss abschließen, zwischen Schutzbrille und Nase darf keine Luft eindringen, unbedeckte Hautstellen müssen mit Klebeband geschützt werden, die Handschuhe (zwei Paar übereinander) sollen so übergestreift werden, dass sie nach dem Einsatz wieder gefahrlos ausgezogen werden können. Denn auch das Ablegen der Schutzkleidung will geübt sein. Die Prozedur ist so schwierig, dass ohne Helfer das An- und Ausziehen unmöglich ist. Auch dieser muss wissen, wo und wie er anzupacken hat, denn für ihn kann eine Nachlässigkeit ebenso tödlich ausgehen.

„Die Bedrohung ist real“
Bereits nach wenigen Minuten spüren die Kandidaten, wie sehr sie die Schutzkleidung belastet: Er fühle sich wie im Taucheranzug, bekennt ein Arzt, dessen Schutzbrille innerhalb weniger Minuten beschlägt. Man muss schon gut trainiert sein, wenn man es im Overall länger als zwei Stunden aushalten will. Dabei herrschen in den Übungsräumen der Missionsärztlichen Klinik maximal 20 Grad. In Westafrika steigen die Temperaturen auf über 30 Grad, und das bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit.

Nicht nur die klimatischen Bedingungen machen es den Helfern in den von dem tödlichen Virus betroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia schwer. Täglich werden neue Fallzahlen gemeldet, die jedoch nach den Worten des Würzburger Tropenmediziners Prof. Dr. August Stich mit Vorsicht zu genießen sind. 6.000 Menschen sollen sich infiziert haben, von 3.000 Toten ist die Rede. Die aktuellen Zahlen seien eher als Trend zu deuten, meint Stich. Alles andere sei „Kaffeesatzleserei“. Mit Sicherheit lasse sich aber sagen: „Die Bedrohung ist real, die Zukunft völlig unklar.“

Sorge bereitet dem Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung der Missionsärztlichen Klinik „dass die ganze Welt jetzt nach Behandlungszentren und Personal ruft“. Angesichts der Tatsache, dass Krankenhäuser in Westafrika Patienten abweisen müssen, weil sie überfordert sind, sei das nachvollziehbar. Aber jedes Zentrum ziehe Personal und Ressourcen aus der Peripherie ab. Sinnvoller sei es deshalb, gewachsene Strukturen wie kirchliche Gesundheitsdienste sowie die allgemeinen Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern zu stärken.

Ganz anders stellt sich die Situation in Deutschland dar, so Dr. Luzie Verbeek vom Robert-Koch-Institut. Hierzulande sei eine intensivmedizinische Diagnostik und Versorgung gesichert. Für Gesundheitspersonal, das in Deutschland mit Verdachtsfällen konfrontiert werde, bedeute das trotzdem Stress, Angst und Unsicherheit. Wer ein solches Szenario nicht schon vorher wenigstens in Gedanken durchgespielt habe, bei dem sorge das „Kopf-Kino“ schnell für Panik.

Die praktische Vorbereitung auf den Ernstfall in Deutschland durfte deshalb beim Workshop nicht fehlen. In einem Klinikflur simulierte Norbert Gresser mit den Teilnehmern die Einrichtung einer Ebola-Behandlungseinheit. Sollte ein Patient mit Verdacht auf eine Infektion in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert werden, müssen Vorkehrungen getroffen werden, damit weder Klinikpersonal noch andere Patienten angesteckt werden.

Immerhin: Wer alles richtig mache, müsse in einem Ebola-Behandlungszentrum vor dem Virus „weniger Angst haben als auf einem westafrikanischen Marktplatz“. (mi)
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