Die innere Uhr bei der Zeitumstellung unterstützen

Am Sonntag gilt: den Zeiger, sei er auch noch so groß, wieder eine Stunde von zwei auf drei Uhr vorzustellen.“ Uhrwerk an der Neubaukirche in Würzburg. (Foto: Robert Emmerich)
Würzburg In der Nacht von Samstag auf Sonntag, genauer: um 3.00 Uhr am Sonntagmorgen, ist es wieder soweit: Die Uhren werden von der Winter- auf die Sommerzeit umgestellt und der Zeiger somit wieder eine Stunde vorgedreht, von zwei auf drei Uhr. Woran liegt es eigentlich, dass sich viele Menschen nach einer Zeitumstellung schlapp fühlen? Warum ist das von Typ zu Typ so unterschiedlich? Und was kann man machen, um diese Rhythmusstörung so gut wie möglich zu überstehen? Wir suchen Antworten in der Biologie. Die Pressestelle der Universität veröffentlichte zu dem Thema einen Beitrag.

Für viele Menschen geht die Zeitumstellung laut verschiedenen Studien von Krankenkassen mit einer anstrengenden Eingewöhnungsphase einher. Auch wenn die Gewöhnung an die "Normalzeit" im Herbst meist leichter fällt als der neue Rhythmus, der im Frühjahr mit der Sommerzeit kommt.

Forschen an der Drosophila
Wissenschaftler der Universität Würzburg forschen an der inneren Uhr. "Chrono-Biologen untersuchen, wie sich die Umwelt auf die innere Uhr auswirkt, wie diese Uhr funktioniert und wie sie den Organismus beeinflusst", sagt Dirk Rieger vom Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik am Biozentrum der Universität Würzburg.

Hier untersuchen die Forscher, wie die innere Uhr das Verhalten der Taufliege (Drosophila melanogaster) steuert. "Drosophila stellt uns einzigartige genetische Werkzeuge zur Verfügung", sagt Professorin Charlotte Förster, Sprecherin des Würzburger Sonderforschungsbereiches "Timing bei Insekten". Erkenntnisse aus der Forschung an der Taufliege lassen sich auf Säugetiere und damit auch auf den Menschen übertragen.

Von Lerchen und Eulen
Dass es im Herbst oft weniger anstrengend ist, sich an die neuen Zeiten zu gewöhnen, hänget damit zusammen, dass der Tag für viele Menschen "gefühlt" so oder so keine 24 Stunden hat. "Hauptsächlich durch Befragungen hat man herausgefunden, dass der Durchschnitt der Bevölkerung eine innere Uhr besitzt, deren Tempo etwas langsamer ist", sagt Rieger. Wird der Tag bei der Umstellung auf die Normalzeit einmalig 25 Stunden lang, empfinden die meisten Menschen dies als nicht so gravierend.

"Die Personen, bei denen die innere Uhr sowieso schneller läuft - wir nennen sie auch "Lerchen" - sind einfach noch ein wenig früher wach als die anderen, die wir "Eulen" nennen", sagt Rieger. "Problematisch wird es jedoch im Frühjahr für die Eulen: Sie haben dann schon mit den für sie eigentlich zu kurzen Tagen zu kämpfen und einmalig nur 23 Stunden zur Verfügung", sagt Rieger. Die Lerchen können sich leichter auf den kürzeren Tagesbeginn einstellen.

Beim "sozialen Jet-Lag" hilft die Sonne
Um die negativen Auswirkungen der Umstellung auf Körper und Seele möglichst gering zu halten, hat Rieger eine klare Empfehlung. "Licht ist der wichtigste Faktor, über den die innere Uhr an die Umwelt gekoppelt ist. Daher helfen Aktivitäten im Freien sehr gut." Das gilt auch für wolkige Herbsttage: Hier ist laut Rieger die Lichtintensität trotz grauen Himmels deutlich größer als an einem "normal beleuchteten" Arbeitsplatz im Büro.

Da der Mini-Jet-Lag bei den Menschen von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorgegeben ist, sprechen die Forscher auch von einem "sozialen Jet-Lag": "Die Umstellung auf Sommer- und Winterzeit folgt ja einer politischen Entscheidung und ist - wie betrieblich geregelte Arbeitszeiten - nicht natürlichen Ursprungs", sagt Rieger. Die Zeit verändert sich nicht - lediglich die Uhren werden umgestellt.

Umstellung aus biologischer Sicht nicht sinnvoll
In Deutschland wurde diese Umstellung 1980 wieder eingeführt, nachdem sie erstmals im ersten Weltkrieg zum Einsatz kam und danach immer wieder ausgesetzt wurde, längstens von 1950 an. Man wollte sich mit der Zeitumstellung an die Nachbarländer anpassen, die als Reaktion auf die Ölkrise 1973 aus energiepolitischen Gründen die Sommerzeit eingerichtet hatten. Ob jedoch wirklich ein energiesparender Effekt eintritt, ist bis heute unter Ökonomen weltweit umstritten.

"Aus chronobiologischer Sicht ist es sicher nicht sinnvoll, solch eine Umstellung vorzunehmen", sagt Rieger. Bei der Einführung 1980 hätten wirtschaftliche Erwägungen eine größere Rolle gespielt als die Bedürfnisse des Menschen. Die Zeitumstellung werde heute differenzierter betrachtet als in den Achtzigerjahren. Die Gesundheit und Zufriedenheit der Menschen spielen eine größere Rolle bei der Beurteilung dieser Maßnahme. "Es gibt immer wieder Bestrebungen von Politikern, die Abschaffung der Sommer/Winterzeit in ihre Wahlprogramme aufnehmen", sagt Rieger.

Haben die Forscher Rieger und Förster für den Fall, dass der Wechsel abgeschafft wird, einen Favoriten? "Bei einer Festlegung auf 'eine' Zeit wäre eventuell sogar die Sommerzeit zu bevorzugen - wegen der vielen langen Sommerabende", sagt Förster. "Als Eule wäre mir die Winterzeit beinahe lieber", sagt hingegen Rieger.
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