Die Chance auf ein attraktives Quartier

Nadelöhr mit Megabaustelle: Der Eingang zur Eichhornstraße, die Einfahrt der Tiefgarage und die Baustelle des neuen Geschäftshauses am Oberen Markt.

Eichhornstraße: Die Baustelle nervt - Zufahrt zur Tiefgarage durch die Martinstraße nach den Sommerferien offen

Diese Baustelle nervt so gut wie jeden in der Stadt: Die Fußgänger wegen des Gedrängels im Durchgang vom Oberen Markt in die Eichhornstraße, die Autofahrer wegen der Reduzierung der Parkplätze und natürlich die Geschäftsleute wegen des Lärms, der rückläufigen Kundenzahl - und weil ihrer Ansicht nach alles zusammen viel zu lange dauere. Was sie allerdings nicht davon  abhält, weitgehend die geplante Fußgängerzone in der Eichhornstraße und dazu die Verbannung der Autos aus dem Bereich zu begrüßen. Eine gute Nachricht: Die Zufahrt zur Marktgarage über die Martinstraße soll gegen Ende der Sommerferien geöffnet werden, verspricht Projektleiter Wolfgang Vey vom Baureferat der Stadt.
Doch die Bauarbeiten brauchen ihre Zeit: Der Neubau des Geschäftshauses am Oberen Markt, die Zufahrt zur Tiefgarage Marktplatz über die Martinstraße, der noch zu beginnende Bau des ersten Abschnittes der Fußgängerzone vom Oberen Markt bis zur Martinstraße (Gestaltungsvorschlag am 25. Juni im Umwelt- und Planungsausschuss, Fertigstellung im Frühjahr 2014), der dann sich anschließende Weiterbau bis zur Herrnstraße mit den erforderlichen Kanalbauarbeiten (Beginn im Juli, wenn der Stadtrat am 20. Juni erwartungsgemäß einen Finanzierungsvorschlag der Verwaltung beschließt). Offen ist noch die Frage, wann und wie der Bereich Wilhelmstraße/Herzogenstraße in die Baumaßnahme Fußgängerzone Eichhornstraße einbezogen wird: „Dazu gibt es noch keine endgültige Entscheidung“, sagt Wolfgang Fey.

Das sagen die Geschäftsleute
Unterdessen hat sich in der Eichhornstraße die „Interessengemeinschaft Würzburgs neue Mitte“ gegründet. Mitte meint hier das Areal zwischen Marktplatz und Kardinal-Faulhaber-Platz. „Das Eichhörnchen weist künftig den Weg in die Eichhornstraße“, sagt der Sprecher der Gruppe, Joachim Drescher (Pelzhaus Drescher/Eichhornstraße). „Wir müssen ziemlich leiden während der Bauzeit, und manche trifft es auch finanziell sehr  hart. Aber wir erhoffen uns eine Steigerung der Attraktivität - und wir haben die Chance, ein attraktives eigenständiges Innenstadtquartier aufzubauen.“
Kritisch sieht Winfried Mahler (Basislager/Martinstraße) die Verkehrspolitik der Stadt etwa mit der Schließung des Oegg-Tores oder der Verkehrsführung zum Zugang der Tiefgarage über die Martinstraße. „Mir geht es aber auch um die Parkplätze. Warum hat man die Einfahrt zur Tiefgarage nicht in die Spiegelstraße gelegt?“ Wirtschaftlich sieht er kein Problem für sein Geschäft. „Fatal wären allerdings Mieterhöhungen – das sieht man ja in der bisherigen Fußgängerzone. Es gibt kaum noch inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte.“
Renate Feßler (Renates Boutique/Herrnstraße) hält die Miete für Geschäftsflächen in Würzburg für sehr hoch. „Man sieht ja in der Dom- und der Schönbornstraße fast nur noch Ladenketten. Diese können die dortigen Mietpreise noch bezahlen. Das führt dazu, dass die Kaufangebote in den größeren Städten weitgehend gleich sind. Unsere Initiative halte ich für sehr gut. Wir ziehen an einem Strang und deshalb sind wir stark“.
Markus Leiske (telecorner/Spiegelstraße) sagt im Hinblick auf eine künftige verkehrsberuhigte Spiegelstraße: „Das bringt entspannten Erlebniseinkauf, weniger Autos und unser Angebot kann besser präsentiert werden. Parkplätze vor unserem Geschäft sind nicht entscheidend. Wenn am Kardinal-Faulhaberplatz und vor der Residenz Parkplätze bleiben und zudem die Marktgarage erreichbar ist, ist genug Parkraum vorhanden. Man sieht doch, wie angenehm die Nürnberger Innenstadt ist: komplett eine Fußgängerzone. An der ‚neuen Mitte‘ nehmen wir derzeit nicht teil.
Sie wisse nicht, ob eine Fußgängerzone für die Eichhornstraße eine „optimale Lösung“ ist, sagt Kathrin Stahl (Juwelier Stahl/Eichhornstraße): „Die Kunden sind seit Jahren gewohnt, bei uns kurz zu halten, um etwas abzuholen. Dazu kommt, dass derzeit teilweise ein absolutes Halteverbot besteht und Kunden, die nur etwas abholen wollen, gnadenlos abkassiert werden. Das macht das Geschäft kaputt. Getränkelieferanten werden gezwungen, ihre Ware hundert und mehr Meter mit dem Handkarren zum Abnehmer zu bringen – das ist schlimmer als in der Fußgängerzone.“
Silia Rüttiger (Barrossi Cafe/Eichhornstraße): „Ich habe mir die Fußgängerzone nicht gewünscht, weil mein Geschäft vom Durchgangsverkehr lebt. Nun wird direkt vor meinem Geschäft ein tiefes Loch für Kanalarbeiten gegraben mit der Folge, dass ich schließen muss, mindestens für eine Woche. Ich halte nicht viel davon, wenn der Autoverkehr aus der Innenstadt verbannt wird, auch nicht, wenn eine Tiefgarage vor der Türe ist.“
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