Der Lohn ist das Strahlen der Kinder

Derzeit gibt es in fast allen Stadtteilen Würzburgs und einigen Landkreis-Gemeinden „Zeit füreinander“-Gruppen, die von der Caritas und der Diakonie unterstützt werden. (Foto: Caritas)
 
Martina Moschnys Aufgabe als Ehrenamtliche im Nachbarschaftshilfeprojekt „Zeit füreinander“ besteht unter anderem darin, Kindern aus Migrationsfamilien zu helfen, mit der deutschen Sprache klarzukommen. (Foto: Caritas Würzburg)
Lengfeld Was für ein herzlicher Empfang! Kommt Martina Moschny zu der nigerianischen Familie, die in Lengfeld wohnt, wird sie von allen immer überaus nett begrüßt: Der kleine Jamie, ein aufgeweckter Zweijähriger, schnippt ausgelassen mit den Fingern und möchte, dass sie ihn hochhebt. Was Martina Moschny sofort tut. Akuna, die vor kurzem eingeschult wurde und von der Nachbarschaftshelferin Leseförderung erhält, strahlt. Die Mama der Kleinen geht freundlich auf sie zu und fragt: „Wie geht es Ihnen denn heute?“

Wie freundlich diese Menschen sie aufnehmen, tut Martina Moschny unendlich gut. Die 65-Jährige hat in den vergangenen Monaten Schweres durchgemacht. Vor einem Vierteljahr beschlossen sie und ihr Mann, vom Altmühltal zurück in ihre ehemalige Heimat zu ziehen. Das Haus war verkauft, alle Kisten gepackt: „Da wurde bei meinem Mann während einer Routineuntersuchung Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert.“ Moschnys Mann hatte nichts mehr von der neuen Wohnung in Würzburg. Er kam direkt ins Juliusspital und kurz darauf in die dortige Palliativstation, wo er nach sechs Tagen starb. 50 Jahre waren die beiden zusammen. Plötzlich stand Martina Moschny ganz alleine da.

Eine neue Aufgabe gegen die Trauer
Es war nicht nur, als wäre die emotionale Grundlage ihres Lebens mit einem Mal weggebrochen. Auch all die tausend Kleinigkeiten, die ihr Mann beim Umzug selbstverständlich übernommen hätte, blieben nun an ihr hängen. Martina Moschny war völlig überfordert. „Da wies mich eine Bekannte auf das Projekt ‚Zeit füreinander’ hin“, erzählte sie. Ein netter Herr, Ingenieur von Beruf, kam zu ihr, hängte ihre Bilder auf und brachte fachmännisch sämtliche Lampen an. Martina Moschny war zutiefst berührt von so viel uneigennützigem Engagement. Sie beschloss, selbst sozial aktiv zu werden. So begann ihr eigener Einsatz bei „Zeit füreinander“.

Ganz anders verläuft nun ihr Ruhestand als ursprünglich geplant. Die Trauer über den so plötzlichen Tod ihres Mannes ist immer noch unendlich groß: „Gerade abends ist es oft schwer.“ Und doch, sagt Martina Moschny, sei sie in den vergangenen Monaten auch bereichert und beschenkt worden.
Für Minuten kann sie alles andere vergessen, wenn sie bei „ihren“ Leuten im Einsatz ist. Bei der nigerianischen Familie, von der sie jeden Samstag so herzlich empfangen wird. Bei der Familie aus Serbien, mit deren Tochter, einer Drittklässlerin, sie ebenfalls an den Samstagen die deutsche Sprache übt. Und bei dem kleinen Jungen, der aus Tunesien stammt, und an jedem Dienstag und Donnerstag zu einer speziellen Kita gefahren werden muss.

Die Prinzipien von „Zeit füreinander“ basieren auf den Grundlagen der Gemeinwesenarbeit. Was bedeutet, dass die Besonderheiten, Bedürfnisse und Ressourcen eines jeden Ortes, an dem das Projekt etabliert ist, berücksichtigt werden. Derzeit gibt es in fast allen Stadtteilen Würzburgs und einigen Landkreis-Gemeinden „Zeit füreinander“-Gruppen, die von der Caritas und der Diakonie unterstützt werden. Bei den Einsatzleitungen werden Angebote und Nachfragen gesammelt und aufeinander abgestimmt. Einige Ehrenamtliche engagieren sich beispielsweise für Senioren, andere für Kinder.

Sebastian Zgraja von Caritasverband stellt fest, dass diese Idee der Nachbarschaftshilfe durch ihre Offenheit für den sozialen Raum und seine Bedürfnisse die Menschen zum Engagement motiviert. Der große Vorteil dieser Projekte ist, so Zgraja, dass auch kurzfristige Einsätze in der direkten Umgebung möglich und erwünscht sind.

Martina Moschny gefällt vor allem, dass sie durch das Nachbarschaftshilfeprojekt mit Menschen und Themen in Berührung kommt, mit denen sie bisher nie etwas zu tun hatte. „Jetzt bin ich 65“, lacht sie: „Und lerne so viel dazu.“
Mehr Info: Caritasverband Würzburg, Sebastian Zgraja, (0931) 38 65 91 26.
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