Das ewige Elend des Parksuchverkehrs

Christian Baumgart.
 
Sie kreisen. Und kreisen. Und kreisen. Parkplatzsuchverkehr rund um den Dom.

Wie wollen wir unsere Stadt gestalten? Stadtbaurat Christian Baumgart im Interview 

Der Planungsausschuss des Stadtrats hat am 9. April bei Stimmengleichheit  den Antrag von Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart abgelehnt, am östlichen Ende der Hofstraße eine Fußgängerzone einzurichten und weiter in Richtung Dom die Straße als Sichtachse von der Residenz zum Dom von Parkplätzen zu befreien sowie die Parkplätze im direkten Umgriff des Doms aufzulassen: Insgesamt 89 Parkplätze sollen der neuen Verkehrsplanung zum Opfer fallen. Sieben Stimmen brachten SPD, Grüne und ÖDP zusammen, ebenfalls so viel die CSU, FDP, Würzburger Liste und Bürgerforum. Nun entscheidet das Plenum des Stadtrats am Donnerstag der  kommenden Woche über die geplante Verkehrsregelung. Adolf Käser stellte für PrimaSonntag  dem Stadtbaurat Fragen.

primaSonntag: Sie haben für diesen Plan leidenschaftlich geworben – nach der Niederlage bei der Abstimmung ließen Sie Ihrem Frust freien Lauf …
Christian Baumgart : Es geht doch nicht um die Parkplätze, sondern darum, den Bürgern der Innenstadt und den vielen tausend Gästen der Stadt einen qualitativ wertvolleren Aufenthalt zu bieten. Weniger Feinstaub, weniger Abgase, weniger Autos, die zu Tausenden täglich auf Parkplatzsuche  durch die Innenstadt schleichen. Die Geschichte wiederholt sich: Bei jedem Schritt zur Erweiterung der Fußgängerzone (Domstraße, Alte Mainbrücke, Juliuspromenade, Mainkai) beziehungsweise ihrer Verbesserung (Wegfall der Spirale vor der Marienkapelle und Bau einer neuen Zufahrt unter dem Rathaus hindurch) waren die verkehrsberuhigenden Maßnahmen umstritten und allesamt haben sich im Nachhinein bewährt. Neues ist immer ungewohnt, man neigt dazu, nein zu sagen. Hat man sich daran gewöhnt, mag man es nicht mehr missen und man erkennt: Es kann auf einmal sehr wohl Fortschritt bedeuten und damit eine Verbesserung der Stadtqualität. Weniger Oberflächenparkplätze bedeuten Fortschritt.

Der Einzelhandel befürchtet Umsatzrückschritte, wenn Oberflächenparkplätze gestrichen werden.
Baumgart:  Ich halte es für unzulässig, die Minderung der Zahl der Oberflächenparkplätze gleichzusetzen mit weniger Einkaufskomfort oder Geschäftsverluste. Weil es nicht darum geht, dass man hier Parkplätze streichen will und keine Alternativen anbietet: Die Tiefgarage am Marktplatz ist nur in den Wochen vor Weihnachten teilweise ausgelastet und das Parkleitsystem hat den Vorteil gebracht, dass es anzeigt, wo Tiefgaragenplätze frei sind. 

Um was geht es dann?
Baumgart: Wir besitzen in Würzburg mit der Residenz ein Weltkulturerbe. Wir haben nach Stadtratsbeschluss aus einem einschlägigen Programm des Bundes  für unsere Pläne mit dem Stichwort Fußgängerzone Hofstraße den Bescheid für eine Unterstützung beantragt und im November 2009 zugesagt bekommen. Wir haben nach Stadtratsbeschluss Anfang 2010 einen Realisierungswettbewerb für die Hofstraße und für Teile der Residenz durchgeführt. Nach langen Diskussionen haben wir das Ergebnis des Wettbewerbs in die Auslobung für das Mozartareal gebracht, was der Stadtrat ebenso so beschlossen hat. Ein Teil des von mir und dem Oberbürgermeister gewünschten Beschlusses  betrifft auch die Ausweitung und Nachrüstung  unseres Parkleitsystems. Frustrierend ist, dass offenbar heute Teile des Stadtrats nicht mehr für richtig halten, was sie in den vergangenen vier Jahren nahezu jährlich in jeweils wechselndem Zusammenhang beschlossen haben. Inhaltlich war der Plan seit 2009 immer gleich dem, den der Ausschuss jetzt abgelehnt hat.
 
Welche Konsequenzen hat es, wenn Ihr Antrag auch im Plenum keine Mehrheit findet?
Baumgart:  Es hat Konsequenzen zunächst, dass wir mit den Fördermitteln des Bundes nicht weiterkommen und Geld zurückbezahlen müssen. Und auch, dass die Stadt einen Teil der Spielregeln bei der Vergaben des Mozartareals einseitig ändern muss, was wiederum zur Folge hat,  dass wir für die Innenstadt wünschenswerte deutliche Verbesserungen in  Sachen aktuelle Stadtqualität, Aufenthaltsqualität, die in jeder Stadt selbstverständlich sind, nicht vorweisen können. Wenn Würzburgerinnen und Würzburger sich in einer anderen Stadt wohlfühlen, dann doch, weil Parkplätze unterirdisch vorhanden sind, zu denen sie geleitet werden und  sie sich nicht durch enge Straßen und parkende Autos zu ihren Besuchszielen durchquetschen müssen.  Ich bin davon überzeugt, dass der in Frage stehende Beschluss  für das Leben in der Innenstadt eine richtige Entscheidung ist, auch im Sinne des Einzelhandels. Vielleicht ist es die Unsicherheit, dass wir im Augenblick zu viel Umbruch auf einmal anstreben. Aber: Genau in dieser Summe hat es Sinn.
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