Bürgermeisterwahl: Sucht Schuchardt die „große Koalition“?

Stehen am Montag im Stadtrat zur Wahl von zwei OB-Stellvertretern: Marion Schäfer-Blake, Dr. Adolf Bauer und Joachim Spatz
Würzburg Der Stadtrat wählt die Vertreter des Oberbürgermeisters – und Christian Schuchardt steht vor der ersten richtungsweisende Entscheidung als OB, die für die nächsten Jahre eminent wichtig sein kann: Sucht er eine stabile Mehrheit und die Zusammenarbeit mit der SPD? Oder hält er sich an das bürgerliche Lager, das ihn einst auf den Schild gehoben hat? Alles läuft auf die Frage „Schäfer-Blake oder Spatz als dritten Bürgermeister“ hinaus. Das Dilemma: Wie Schuchardt sich auch entscheidet – einen Block bringt er auf jeden Fall gegen sich auf.

Der erste Riss im Stadtrat?
Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake soll weiterhin zweite Stellvertreterin des Oberbürgermeisters bleiben. Dies beschloss die SPD–Stadtratsfraktion. „Wir wollen an der Tradition festhalten, dass die stärkste Fraktion den ersten Stellvertreter des OB stellt und die zweitstärkste den zweiten. Wir werden daher einen entsprechenden Vorschlag der CSU-Fraktion mittragen, erwarten aber im Gegenzug, dass unser Vorschlag akzeptiert wird.“ Dies sei die Grundlage für die notwendige Kompromissbereitschaft über die Grenzen von Fraktionen oder Lager-Koalitionen in entscheidenden Fragen der Stadtentwicklung“.

Drei Kandidaten für zwei Bürgermeistersessel
Die Wahl der Vertreter von Oberbürgermeister (OB) Christian Schuchardt (CDU) steht auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des neu gewählten Stadtrats am morgigen Montag ab 15 Uhr. Die CSU-Fraktion schlägt als Kandidaten für den 1. Stellvertreter des OB Dr. Adolf Bauer vor. Würzburger Liste (WL) und FDP haben den FDP-Stadtrat Joachim Spatz als ihren Kandidaten ins Rennen geschickt.
Nach Adolf Bauer mit knapp 30.800 Stimmen für die CSU hat Marion Schäfer-Blake bei der Stadtratswahl mit über 29.000 Stimmen für die SPD das zweitbeste Ergebnis aller 461 Bewerber um einen Sitz im Stadtrat erzielt. „Dies zeigt, welch hohes Maß an Anerkennung sich unsere Kandidatin bei den Bürgern erworben hat“, so SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow. Eine „sehr große Anzahl der Wähler würde keinerlei Verständnis dafür aufbringen, wenn die einzige Frau in der Stadtspitze abgewählt werden würde.“

Postenverteilung vor der Wahl - politische Konsequenzen nach der Wahl
Woher diese Gefahr für die SPD-Kandidatin kommt, bedarf eines Rückblicks in den Spätsommer des vergangenen Jahres. Damals hat der Block, der von der CSU mit WL, FDP und – mehr oder weniger - dem Bürgerforum für die Kommunalwahl gebildet wurde, das Visier heruntergelassen und ob seiner damaligen Mehrheit im Stadtrat eine Absprache getroffen: Die CSU würde den ersten Stellvertreter des Oberbürgermeisters besetzen, und einen Kandidaten eines der kleinen Blockmitglieder als zweiten Stellvertreter unterstützen. Dies wird in Stadtratskreisen gemeinhin als Dank für deren Unterstützung für die CSU gesehen.

SPD: Der Oberbürgermeister muss es richten
Zur Kandidatur von Spatz sagt die SPD-Fraktion, der OB habe im Wahlkampf um eine Mehrheit für den konservativen Block gekämpft, dieses Ziel aber nicht erreicht. Der Block verlor seine Mehrheit im Stadtrat, erhielt nur – einschließlich OB - 24 von 51 Sitzen. Die CSU kann ihre Personalzusage an die FDP und Joachim Spatz (8.200 Stimmen bei der Stadtratswahl), nur einhalten, wenn es ihr gelingt, mindestens zwei Stimmen aus Nichtmitgliedern des Blocks zu akquirieren.

Der Oberbürgermeister müsse sich entscheiden, ob er zusammenführen will. Wenn nun Posten für erwiesene Wahlhilfe vergeben werden, erreiche er das Gegenteil, schreibt SPD-Fraktionsvorsitzender Kolbow. Sollten sich Oberbürgermeister Schuchardt und die CSU dem Vorschlag Joachim Spatz anschließen, "können sie sich der Unterstützung für Dr. Bauer von Seiten der SPD-Fraktion nicht sicher sein".
Wie sagte in diesen Tagen ein Stadtrat aus einer Gruppierung außerhalb des Blocks: „Welche Kluft im Stadtrat kann man durch die Wahl von Spatz aufreißen! Ob unsere Aufbruchsstimmung nach Jahren des Stagnierens einen solchen Riss verträgt?“ (ser)
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