Betonrinne statt Plätscherbach?

Peter Wiegand, Stadt Würzburg, Andre Fleck, Jusovzorsitzender Würzburg Stadt, Katharina Räth, SPD-Parteivorsitzende, Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Würzburg-Aschaffenburg, Rosi Binder-Linsler, SPD-Ortsverein Stadtmitte, Georg Rosenthal, Landtagsabgeordneter, Hans-Werner Loew, Stadtrat, Alexander Kolbow, Fraktionsvorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion (v.l.). (Foto: Corbinian Wildmeister)
Gestaltung der Pleichach am Hauptbahnhof: Rosenthal (SPD) lud ein zur Ortsbegehung

Bisher ist noch nicht endgültig entschieden, wie die Pleichach und ihre Umgebung am Hauptbahnhof gestaltet werden sollen, wenn dort, wie geplant, ein neues Hotel und ein neues Parkhaus entstehen. Sicher ist bisher nur der Abriss des in die Jahre gekommenen Quellenbachparkhauses. Stadtverwaltung und weite Teile des Stadtrates wollen an dieser Stelle die Pleichach freilegen. Das ist umstritten.

Um sich einen Überblick zu verschaffen und die verschiedenen Umbau-Optionen zu diskutieren, haben sich der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal, die Vorsitzende der SPD Würzburg Katharina Räth, die SPD-Stadträte Alexander Kolbow, Jutta Henzler und Hans-Werner Loew sowie der Vorsitzende der Jusos Würzburg Andre Fleck mit Vertretern der Stadt Würzburg und des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg an der Pleichach im Bahnhofsbereich getroffen. „Es gibt hier genügend Zielkonflikte, die noch in diesem Jahr für eine gute und nachhaltige Lösung diskutiert werden müssen. Diese Debatte sollte auch in der Öffentlichkeit geführt werden“, erklärte Rosenthal.

„Da wachsen nur Brennnesseln“
Umstritten war vor allem, ob und wie der Vorschlag einer Freilegung und Renaturierung der Pleichach umgesetzt werden soll. Hans-Werner Loew betrachtete dieses Vorhaben mit Skepsis: „Das Ergebnis wird nicht so aussehen, wie in den ersten Visualisierungen. Es wird die Bürgerinnen und Bürger bitter enttäuschen. Der Kanal ist viel zu tief, der Wasserstand ist meist nur sehr niedrig und außer Brennnesseln wird hier nicht viel wachsen.“

Zudem müsste der Kanal oft und gründlich von dem Unrat gereinigt werden, den die Pleichach mit sich bringt. „Die Bachrinne der Pleichach wird an dieser Stelle niemals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, weil bauliche Eingriffe in die betonierte Bachsohle und die hohen Seitenwände wegen des Schutzes der Bahnhofsquellen nicht zulässig sind“, so Loew. „Davon, dass die Natur hier erlebbar wird, kann man nicht sprechen. Es wird eine vier Meter breite, drei Meter hohe und 300 Meter lange Betonrinne bleiben“, betonte auch Rosenthal.

Renaturierung nicht möglich?
Stattdessen sollte man darüber nachdenken, so der SPD-Stadtrat, den Bereich begehbar und anspruchsvoll mit Grünanlagen und Sitzgelegenheiten zu gestalten. Auch Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, warnte vor zu hohen Erwartungen an die Umgestaltung: „Man kann durchaus eine ökologische Aufwertung erreichen. Eine Renaturierung ist bei einem solchen Stadtbach allerdings nicht möglich.“

Die Umbaumaßnahmen in diesem Bereich werden voraussichtlich auch auf den Bahnhofsbetrieb Einfluss nehmen. „Im Planungsprozess müssen wir auf lange Sicht eine gute Verkehrsanbindung für die etwa 28.000 Reisenden und Pendler, die den Hauptbahnhof täglich nutzen, sicherstellen“, gab Alexander Kolbow zu bedenken. Dies gelte nicht nur für PKWs, sondern auch für Busse, Straßenbahnen und den Radverkehr. „Wir haben nur begrenzten Raum, in dem wir Kosmetik betreiben können. Wichtig ist, dass ein attraktiver und breiter Fußweg vom Bahnhof zu der neuen Veranstaltungshalle gesichert wird.“

Ein weiterer Gesprächspunkt war der Hochwasserschutz. Bisher würde ein z. B. durch Starkniederschläge ausgelöstes Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre eintritt, zu Überschwemmungen bis weit in die Stadtmitte führen. Im Quartier zwischen Haugerring und Semmelstraße/Kartause würde das Wasser verbreitet bis zu einem halben Meter und höher über Straßenniveau stehen. „Die Möglichkeiten zur Bekämpfung eines solchen Hochwassers müssen bei jedem Planungsschritt berücksichtigt werden“, betonte der ehemalige Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Die romantische Vorstellung einer Freilegung der Pleichach zwischen Hauptbahnhof und Mündung in den Main vergrößere die Gefahr für umliegende Siedlungsbereiche. Zudem müsse man in Kooperation mit den Umlandgemeinden verstärkt an Rückhaltekonzepten im Landkreis Würzburg arbeiten, wo die Pleichach ihren Ursprung hat.

Der Bebauungsplan für das Bahnhofsareal mit Quellenbachparkhaus soll noch in diesem Jahr fertig werden. Erste Baumaßnahmen könnten schon im Frühjahr 2019 beginnen.
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