Besondere Förderung an der Uni: „Würzburgs Stephen Hawking“

Der Würzburger Astrophysiker Christoph Wendel erforscht die unendlichen Weiten außerhalb der Milchstraße. Im Hintergrund: die aktive Galaxie Centaurus A in 11,7 Millionen Lichtjahren Entfernung, in deren Zentrum sich ein sehr massereiches Schwarzes Loch mit 55 Millionen Sonnenmassen befindet und von dem gebündelte Plasmastrahlen ausgestossen werden. Christoph Wendel untersucht die zugrunde liegenden Prozesse. (Foto: Fotos: Marco Bosch/Cornelia Müller, Uni)
Würzburg Er sitzt im Rollstuhl – und greift trotzdem nach den Sternen: Der Würzburger Astrophysiker Christoph Wendel leidet an spinaler Muskelatrophie, auch „Muskelschwund“ genannt. Doch die Schwäche seines Körpers gleicht Wendel mit bemerkenswerter geistiger Kraft aus: Der junge Wissenschaftler, der am Lehrstuhl für Astronomie promoviert, ist in der Lage, auch komplexeste Systeme zu analysieren und zu verstehen. Sein Doktorvater Professor Karl Mannheim, Leiter des Lehrstuhls für Astronomie, ist begeistert: „Ich bin außerordentlich glücklich, dass ich so einen kompetenten Doktoranden gewonnen habe. Christoph Wendel ist mit einer kaum vorstellbaren Gabe ausgezeichnet.“

„Beim Promovieren ist die geistige Arbeit ja die Hauptarbeit“
Durch seine Erkrankung ist Wendel 24 Stunden am Tag auf eine Assistenz angewiesen. Er sitzt im E-Rollstuhl und kann im Wesentlichen nur seinen Kopf bewegen: „Beim Promovieren ist die geistige Arbeit ja die Hauptarbeit“, sagt Wendel und ergänzt: „Deswegen ist es eine optimale Aufgabe für mich, weil ich geistig fit bin – nur körperlich sehr eingeschränkt.“ Der Arbeitstitel seiner Promotion ist für Laien nur schwer verdaulich: „Erklärung und Modellierung der Hochenergie-Spektren extragalaktischer Gamma-Strahlungsquellen anhand numerischer Simulationen.“ Laut Wendel geht es darum, „die Strahlung von Objekten außerhalb der Milchstraße zu erklären.“ Damit in Zusammenhang stehe auch die Untersuchung schwarzer Löcher.

Ein großer Erfolg für die Inklusion

Dass er aufgrund seiner äußeren Erscheinung manchmal mit dem britischen Astrophysik-Star Stephen Hawking verglichen wird, spielt für ihn keine große Rolle. „Hawking ist als Physiker sicherlich ein Vorbild. Aber auch nicht mehr als andere“, sagt Wendel. Doktorvater Karl Mannheim ergänzt jedoch: „Ich finde, Hawking ist ein gutes Beispiel. Es zeigt, dass Inklusion gelingen kann, dass Menschen mit großen körperlichen Einschränkungen Großartiges leisten können.“
Die Themen Inklusion und Integration würden an der Uni Würzburg immer wichtiger.

Deshalb habe die Universitätsleitung dem neuen PROMI-Vorhaben auch sofort zugestimmt, sagt Uni-Präsident Alfred Forchel. „PROMI“ steht für „Promotion inklusive“. Das Projekt soll schwerbehinderten Akademikern eine Promotion ermöglichen und somit ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt erhöhen. 70 Prozent der Kosten übernehmen die Projektträger, der Rest liegt bei den Universitäten selbst. Weiterer Partner von „PROMI“ ist das Unternehmensforum. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.
Im Rahmen von „PROMI-Promotion inklusive“ richten 15 deutsche Unis bis Herbst 2015 insgesamt 45 sozialversicherungspflichtige Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter mit einer Behinderung ein. Die Uni Würzburg ist die einzige Universität in Bayern, die sich an dem bundesweiten PROMI-Projekt beteiligt. (ser)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.