Benzinklau als Volkssport

Tankbetrüger, die in Würzburg zuschlagen wollen, müssen durchaus damit rechnen, erwischt zu werden: Die Aufklärungsquote liegt immerhin bei 68 Prozent (2012). Deutschlandweit werden im Schnitt lediglich 43 Prozent aller Spritdiebe ermittelt.

Aktuelle Studie: Würzburg ist eine Hochburg für Tankbetrüger: 241 Fälle allein im letzten Jahr

Bald beginnen die großen Sommerferien – und pünktlich klettern die Benzinpreise in die Höhe. Viele Autofahrer nehmen die hohen Preise an der Tankstelle stillschweigend hin, andere zahlen die Rechnung nur zähneknirschend. Wieder andere zahlen gar nicht: Sie tanken ihr Auto voll und suchen das Weite. Laut einer Studie des Internetportals „auto.de“ gab es noch nie so viele Fälle von Tankbetrug wie im vergangenen Jahr. Insgesamt wurden in Deutschland 2012 fast 90.000 solcher Delikte bei der Polizei angezeigt. Und: Würzburg ist eine Hochburg für Tankbetrüger. 2012 wurden 241 Fälle bekannt – im Schnitt wurde jede Tankstelle im Stadtgebiet neun Mal auf diese Weise bestohlen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum gab es in Bayreuth drei, in Fürth nur zwei angezeigte Fälle.
In der Studie wurden die Daten der 120 größten deutschen Städte ausgewertet. Ergebnis: Allein auf sie entfallen über 38.000 Tankbetrugsfälle. In Deutschland gibt es derzeit über 16.000 Tankstellen. Auf deren Basis wurde die Anzahl der Betrugsfälle pro Tankstelle ausgewertet. Ergebnis: Je größer und anonymer die Stadt, desto mehr „Spritklau“ gibt es im Verhältnis zu den Einwohnern. Städte, in denen auffällig viel Treibstoff gestohlen wurde, wurden als „unsicher“ für Tankstellen-Betreiber klassifiziert. Zu diesen Betrugshochburgen gehört auch das eher beschauliche Würzburg. Deutschlands „Betrugshauptstadt“ ist übrigens Magdeburg mit beachtlichen 26 angezeigten Fällen pro Tankstelle.
Der Zentralverband des Tankstellen- und Garagengewerbes (ZTG) davon aus, dass nur rund 20 Prozent der Tankbetrugsfälle angezeigt werden – die übrigen 80 Prozent bleiben noch immer ohne polizeiliche Ermittlungsarbeit. Das liegt unter anderem daran, dass vor allem freie Tankstellen kaum über Videoüberwachungssysteme verfügen oder den bürokratischen Aufwand einer Anzeige scheuen. Während die großen Ketten die Kosten von durchschnittlich 15.0000 bis 20.000 Euro stemmen können, scheuen die kleinen Anbieter die Ausgaben für Videoanlagen. Der ZTG schätzt daher, dass es jährlich in Deutschland bis zu 450.000 Tankbetrugsfällen kommt. Der Schaden läge dann statt bei über 30 Millionen Euro – Tendenz weiter ansteigend.
Trotz Kameraüberwachung an den Tankstellen liegt die Aufklärungsquote der angezeigten Tankbetrügereien deutschlandweit bei 43,1 Prozent. Grund für die mäßigen Quoten sind Betrüger, die mit gar keinen, gestohlenen oder gefälschten Nummernschildern an die Stationen fahren, tanken und dann flüchten. Hier versagen auch die besten Videoüberwachungssysteme. Tankbetrüger, die in Würzburg zuschlagen wollen, müssen allerdings eher damit rechnen, erwischt zu werden: Hier liegt die Aufklärungsquote immerhin bei 68 Prozent.
Spritklau ist nach wie vor eine Männerdomäne. Von den über 32.890 ermittelten Tatverdächtigen im letzten Jahr waren 78 Prozent Männer. Fast jeder zweite Tankbetrüger ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Interessant ist auch: Über ein Drittel der Tatverdächtigen kommt aus der gleichen Stadt, in der die bestohlene“ Tankstelle liegt. Nur 8,6 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen sind ausländische Autofahrer.
Die hohen Benzinpreise machen für immer mehr Menschen das Tanken unerschwinglich. Wer etwa im Juni 2011 Super tankte, zahlte rund 1,56 Euro für den Liter. Zwölf Monate später waren es schon 1,60 Euro (Quelle Mineralölwirtschaftsverband e.V.).
Für die Studie wurden in einer zweimonatigen Recherche bei zahlreichen Polizeidienststellen, den Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt die Daten erhoben. Die Angaben zur Dunkelziffer basieren auf Informationen vom Zentralverband des Tankstellen- und Garagengewerbes (ZTG).
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