Barrierefreiheit beginnt im Kopf: Fotoausstellung „Sport und Behinderung“

Fotograf Thomas Ebert vor einem seiner Werke, gemeinsam mit Sandra Ohlenforst, Leiterin der Kontaktstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS) an der Uni Würzburg. (Foto: Patricia Schätzler)
Die Fotoausstellung „Sport und Behinderung“ wurde im Sportzentrum der Universität am Hubland vorgestellt und ist nun im Foyer der Uni am Sanderring zu sehen. Die Bilder zeigen verschiedene Athleten mit Behinderung.
Ein halbes Jahr lang reiste Fotograf Thomas Ebert durch Deutschland, um die Teilnehmer der Paralympics 2008 in Peking an ihren Trainingsstätten aufzusuchen.

Dem Fotograf war es dabei besonders wichtig, die Dynamik und Leidenschaft der Sportler einzufangen. „Ich hatte mich dafür entschieden, die Athleten abstrakt darzustellen. Daher habe ich mich für vom Hintergrund losgelöste Aufnahmen entschieden“, sagt Ebert.

Dynamische Portraits von Paralympics-Teilnehmern
Um einen authentischen Eindruck zu vermitteln, sei es Ebert wichtig gewesen, die Behinderung sichtbar zu machen und nicht zu verdecken. „Die meisten der Prothesen sind im Wettbewerb gar nicht zu sehen. Wir haben diese bei den Aufnahmen sogar ausgeleuchtet“, sagt Ebert.

„So war es uns möglich, etwas ‚ikonenhaftes‘ zu schaffen und besonders kraftvolle Portraits einzufangen“, fügt der Künstler hinzu. „Es war eine tolle Erfahrung, wie sich die Sportler darauf eingelassen haben und wie normal deren Behinderungen werden, wenn man mit den Menschen arbeitet.“

Von Mitleid zu Respekt
In den Worten zur Eröffnung der Ausstellung betonte Olaf Hoos, Leiter des Sportzentrums, den Stellenwert von Sport für Inklusion, die gesellschaftliche Integration von Behinderten. Sowohl die Ausstellung als auch das „no limits“-Sportfest böten einen Rahmen, um für dieses Thema zu sensibilisieren.

Beim Sportfest konnten nicht-behinderte Teilnehmer sich darin erproben, Sportarten mit den Sportgeräten der eingeschränkten Athleten auszuüben.
„Durch eine Erfahrung – wie beispielsweise blind Fußball zu spielen – findet ein Perspektivenwechsel statt“, sagt Hoos. Das sei zentral, um Respekt für behinderte Sportler zu entwickeln und Verständnis zu fördern. So zeige auch die Ausstellung, wie die Athleten trotz begrenzter Möglichkeiten zu außergewöhnlichen Leistungen fähig seien. „Besonders die Lebensnähe der Ausstellung soll für eine Barrierefreiheit in den Köpfen sorgen“, sagt Hoos und fügt hinzu: „gerade die Ausdrucksstärke der Bilder ermöglicht den Betrachtern einen Zugang zum Thema.“

Forschung zu Inklusion an der Uni
„In der Forschung beschäftigen wir uns sowohl mit Inklusion im Sport als auch mit Inklusion durch Sport“, sagt Hoos. Das bedeutet, dass der Sport nicht nur barrierefrei werden soll, sondern auch zur Integration von Behinderten beitragen kann. „Gerade für unsere Lehramtsstudierenden ist es wichtig, sich der Thematik bewusst zu sein. Didaktisch sollen sie sensibilisiert werden, nicht nur nach einem überdurchschnittlich hohen Leistungsniveau zu unterscheiden“, so Hoos.

Auch Sonderpädagoge Professor Reinhard Lelgemann sieht im Sport eine große Chance: „Sport verbindet. Das wird auch bei der Magie der Bilder klar.“ Lelgemann ist der Behindertenbeauftragte der Universitätsleitung. Sandra Ohlenforst, Leiterin der Kontaktstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS), freut sich über die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Sportlern und Künstlern: „Die Mitarbeit am Sportfest und der Ausstellung geht über den normalen KIS-Alltag hinaus.“

Die Aufnahmen sind noch bis zum 12. Juni im Foyer der Neuen Uni am Sanderring ausgestellt.
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