Ausstellung: Christophorus-Gesellschaft kümmert sich um Strafgefangene und Obdachlose

Menschen in prekären Situationen Perspektiven aufzuzeigen, das ist Aufgabe aller Mitarbeiter in der Christophorus-Gesellschaft.
 
V.l.: Günther Purlein (Geschäftsführer Christophorus GmbH), Andrea Dehler (Leiterin der Straffälligenhilfe), Bernd Fröhlich (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Mainfranken), LRDin Maria Heil (Finanzamt Würzburg), Erwin Schlereth (Beiratsvorsitzender Christophorus GmbH), Manfred Heuer (Gebietsdirektor Sparkasse/Stadt), Werner Schühler (Leiter Wohnungslosenhilfe)

Was bedeutet es, in einer Vollzugsanstalt eingesperrt zu sein? Was heißt es, keine Wohnung zu haben? Auf der Straße zu leben? Das erfährt man in der Ausstellung der Christophorus-Gesellschaft im Foyer der Sparkasse Mainfranken in der Hofstraße. Anlass für die Präsentation sind gleich vier Jubiläen.

Immer mehr Menschen überschuldet
Menschen, die einmal hinter Gittern sitzen mussten, erhalten seit 35 Jahren Unterstützung durch die Straffälligenhilfe. Die Wohnungslosenhilfe der Christophorus-Gesellschaft wird heuer sogar schon 40 Jahre alt Seit 30 Jahren gibt es die Schuldnerberatung. Vor 15 Jahren begann das Christophorus-Team außerdem, die damals neue Insolvenzberatung anzubieten.

Auch Gäste der Bahnhofsmission und der Wärmestube stellen sich durch Zitate oder künstlerische Werke vor. Unbestrittener Hingucker ist die hölzerne Kommode (aus der Schreinerwerkstatt des Johann-Weber-Hauses), die von ehemals Strafentlassenen restauriert wurde.

Dokumente aus den vergangenen Jahren berichten davon, was sich gewandelt hat. Und davon, was heute immer noch so ist wie vor vielen Jahren. „Die Probleme überschuldeter Menschen sind gleich geblieben“, betonte Christophorus-Geschäftsführer Günther Purlein, der die Ausstellung zusammen mit Bernd Fröhlich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainfranken, am Montag eröffnete. Die Zahlen der Überschuldeten allerdings explodierten förmlich.

Wohnung weg, Freunde weg
Noch bevor sie wieder freigelassen werden, kommen Strafgefangene in Kontakt mit der Christophorus-Gesellschaft. Mitarbeiterin Navina De geht in das Gefängnis, um schon dort mit der Schuldenregulierung zu beginnen. Was es heißt, für mehrere Jahre eingesperrt zu sein, schilderte ihre Kollegin Andrea Dehler. Nach der Haft ist oft die Wohnung weg. Die Entlassenen haben kaum Geld. Und sie haben keine Freunde mehr.

Eine Haft kann schwere psychische Schäden verursachen. Gefängnis sei „das Schlimmste“, was es gibt, schreibt ein Klient der Christophorus-Gesellschaft. Bedrückend nach der Haft das Gefühl, keine Perspektive zu haben. Menschen in prekären Situationen Perspektiven aufzuzeigen, das ist Aufgabe aller Mitarbeiter in der Christophorus-Gesellschaft. Auch und gerade in der von Werner Schühler geleiteten Wohnungslosenhilfe dreht sich alles hierum.

Warum sich ein Bankchef mit solchen Problemen auseinandersetzt? Bernd Fröhlich reagiert auf diese Frage fast erstaunt: „Wir haben schließlich eine gesellschaftliche Verantwortung.“ Was bedeutet, Menschen in schwierigen Lebenslagen in den Blick zu nehmen. Viele Klienten der Christophorus-Gesellschaft haben bei der Sparkasse ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto: „Eben dafür sind wir da.“ Aus Mitteln der Sparkassen-Stiftung wurde die Christophorus-Gesellschaft aber auch oft schon direkt unterstützt. Die aktuelle Ausstellung, die noch drei Wochen lang zu sehen sein wird, ist in Sachen „Öffentlichkeitsarbeit“ auch bei weitem nicht die erste Kooperation.

Dass sie heute wieder festen Boden unter den Füßen haben, das haben viele Menschen in und um Würzburg der Christophorus-Gesellschaft zu verdanken. Mit Hilfe des ökumenischen Teams schafften sie es, von der Straße wegzukommen. Es gelang ihnen in der stationären Einrichtung des Johann-Weber-Hauses, die belastenden Erlebnisse hinter Gittern zu verarbeiten, einen Job und schließlich auch eine Wohnung zu bekommen. Sie „überlebten“ triste Tage voll depressiver Gedanken, weil sie wussten, dass sich jemand in der Wärmestube oder der Bahnhofsmission ihrer annimmt. Die Ausstellung erzählt hierüber viele Geschichten.

Die Ausstellung ist noch bis 7. August im Foyer der Sparkasse in der Hofstraße zu sehen.

von Günther Purlein
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