Aufzug statt Häckerbrunnen

Hier hängt er (scheinbar) schon am Haken: Steht der Häcker dem Aufzug zur Tiefgarage im Weg?

Oberer Markt: Stadträte vermissen Diskussion im Rathaus

Schauplatz Oberer Markt: Der Häckerbrunnen soll umziehen, die Baumrondelle mit den Sitzbänken verschwinden – um Platz für einen neuen Aufzug zur Marktgarage zu schaffen. Diese Planungen überraschen selbst die Mitglieder des Bau- und Ordnungsausschusses: Dass ein markantes Wahrzeichen der Innenstadt und etliche der seltenen öffentlichen Sitzgelegenheiten dem Aufzug weichen sollen, ist vielen Stadträten neu. Bisher ging man davon aus, dass der Aufzug ins neue Geschäftshaus am Marktplatz integriert werden soll.
Die Stadt will mit einem Kostenaufwand  von 600.000 Euro ein „Zugangsbauwerk zur Marktgarage mit Aufzugsanlage“ bauen sowie das „Umfeldes des Häckerbrunnens“ neu gestalten. Der entsprechende Beschluss stand in dieser Woche auf der Tagesordnung des Bau- und Ordnungsausschusses, konnte aber nicht gefasst werden: Zu Beginn der Sitzung  wurde der Punkt wieder von der Tagesordnung genommen. Sicher ist wohl nur, dass das knapp fünf mal drei Meter große Bauwerk den Häckerbrunnen sowie die Rondelle samt Bäumen und Sitzbänken vertreibt.
In Stadtratskreisen ist man über diesen Gang der Dinge irritiert:  Zuerst wird unter Stadträten kritisiert, dass es bislang im Rathaus keine öffentliche Diskussion über die Neugestaltung des Oberen Marktes gegeben habe. Weiterhin war bisher die Ansicht vorherrschend, dass Treppenanlage und Aufzug Teil des neuen Kaufhauses am Oberen Markt seien - und nicht zu Lasten des Stadtsäckels gehen. Doch Brandschutzfragen, sicherheitstechnische Erfordernisse und aufsteigende Schadstoffe aus der Tiefgarage verhinderten das Projekt.
Überlegt wurde die Platzierung von Treppenanlage und  Aufzug vor dem s.Oliver „Flagship Store“. Doch dann stünde das Bauwerk aus Stahl und Glas direkt in der Blickachse von der neuen Fußgängerzone Eichhornstraße zur Marienkapelle. So bleibe im Grunde nur noch die andere Seite des Oberen Marktes bis hin zum ehemaligen Deppisch-Haus.
Anlässlich des 200-jährigen Firmenjubiläums des Kaufhauses Seisser in Würzburg 1973  spendete Firmeninhaber  Günther Seisser Senior der Stadt 35.000 DM für einen Brunnen im Bereich seines damaligen Geschäftshauses am Kürschner Hof. Vier Jahre hat es gedauert, bis der Häckerbrunnen, gestaltet von Richard Rother, auf seinem heutigen Standort enthüllt wurde. Bekannt ist, dass Stadtbaurat Christian  Baumgart  schon immer den Bereich um den Brunnen neu gestalten wollte. „Sie werden sehen, dass er mit der Neugestaltung des Oberen Marktes besser in Erscheinung treten wird als bisher“, versprach er auf Anfrage.
Doch unter Stadträten wird noch eine andere Variante diskutiert: In der Mitte des Oberen Markts befindet sich ein Treppenausgang – warum könne man nicht in dessen Umfeld den neuen Aufzug bauen? Unabhängig davon findet sich weniger als 100 Meter entfernt auf dem Unteren Markt, versteckt zwischen den Marktbuden, bereits ein Aufzug.
Auf jeden Fall soll inzwischen die Stadt einen Planungsauftrag für den Bau des Treppenhauskomplexes (Treppe mit Aufzug) sowie die Neugestaltung des Oberen Markts  an das Würzburger Architektenbüro Frank Zumkeller (Architekt und Bauleitung beim St. Bruno-Haus in der Spiegelstraße) vergeben haben. Der ganze Komplex samt neuer Zufahrt über die Martinsstraße soll in einer Sitzung des Hauptausschusses am 28. Februar begutachtet und im Anschluss im Stadtrat beschlossen werden – jeweils nichtöffentlich.
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