Auf der Suche nach intelligenten Therapien - VW-Stiftung unterstützt Würzburger Forscher

Dr. Christian Perez (Foto: Universität Würzburg)
Würzburg Es sind schier unvorstellbare Zahlen: Gut 100 Billiarden Mikroben besiedeln den menschlichen Körper; ihre Masse beträgt bis zu 1,5 Kilogramm. Mehr als 10.000 verschiedene Bakterienarten leben nach neuesten Untersuchungen im und am Menschen; jeder Mensch trägt mindesten 160 verschiedene Arten – in individuell unterschiedlicher Zusammensetzung. In dieser Bakterienansammlung sucht der Infektionsbiologie Dr. Christian Perez eine Alternative zur gängigen Therapie mit Antibiotika.

„Dieses sogenannte ‘Mikrobiom’ beeinflusst die Biologie des Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise – beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme, der Entwicklung des Immunsystems oder sogar der Funktion des Nervensystems”, erklärt Perez. Der Wissenschaftler ist Leiter einer Nachwuchsgruppe am Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg.

Auch wenn das Mikrobiom in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Wissenschaft geraten ist, sei noch immer wenig über dieses komplexe Ökosystem und dessen Funktionen bekannt. Die Dynamik seiner Zusammensetzung und seine Beiträge zu Gesundheit und Krankheit seiner Träger liegen ebenfalls noch weitgehend im Dunkeln. Klar ist allerdings, dass Mikroben, die den menschlichen Körper besiedeln, sowohl mit den menschlichen Zellen interagieren als auch mit anderen Mikroben und Krankheiten erregenden Eindringlingen.

Dieses Zusammenspiel möchte Christian Perez nutzen: „Wir gehen davon aus, dass das Verständnis dieser Interaktionen der Schlüssel zu einer intelligenteren Generation von Therapien ist”, sagt der Molekularbiologe: Therapien, die auf der einen Seite Krankheiten auslösende Mikroben beseitigen, auf der anderen Seite aber das normale, gesunde Mikrobiom verschonen. Medikamente, die dazu in der Lage sind, wären eine „echte Alternative zu den traditionellen Antibiotika“, die gleichermaßen „gute“ wie „schlechte“ Bakterien töten.

Die Volkswagen Stiftung unterstützt dieses Vorhaben im Rahmen ihrer Förderinitiative „Experiment“. Diese richtet sich an Forscher, die eine radikal neue Forschungsidee verfolgen möchten, und ist jeweils mit 100.000 Euro dotiert. Die Wissenschaftler erhalten damit für 18 Monate die Zeit, in einer ersten „explorativen Phase erste Anhaltspunkte für die Tragfähigkeit ihres Konzeptes zu gewinnen“, schreibt die Stiftung. (Pressestelle Uni/ser)
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