Auch nach dem Urteilsspruch bleiben viele Fragen offen

Foto Patrick Woetzel

Tote im Acker: zehn Jahre und sechs Monate Gefängnis – Revision eingelegt

Zwischen drei und fünf Minuten dauerte der Todeskampf einer 32-jährigen Heidingsfelderin, die am Abend des 16. April in ihrer Wohnung von einem Bekannten erwürgt wurde. Das Schwurgericht hat den 45-Jährigen Gartenarbeiter am Montag wegen Totschlags zu 10 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Mann hatte gleich bei seiner Verhaftung drei Tage nach der Tat gestanden, seine langjährige Bekannte im Streit getötet, ihre Leiche nachts in einer Schubkarre durch den Würzburger Stadtteil Heidingsfeld gefahren und dann auf einem Acker in der Nähe vergraben zu haben. „Sie starb qualvoll“, sagte der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl. Was genau in der Heidingsfelder Wohnung der alleinerziehenden Mutter geschah, konnte das Gericht auch in vier Tagen Beweisaufnahme nicht bis ins letzte Detail aufklären.
Fest steht aufgrund der Spuren und Verletzungen, dass die Frau mindestens drei wuchtige Faustschläge ins Gesicht bekam und dass der Angeklagte an diesem Abend Geschlechtsverkehr mit ihr hatte. Und dass er die Frau entweder vor oder nach ihrem Tod mit Klebeband fesselte und knebelte. Denkbar sei vieles, bis hin zu einer Vergewaltigung mit anschließender Ermordung des Opfers, betonte Pöpperl. Nachweisen lässt sich das alles aber nicht, deshalb müsse die Kammer zu Gunsten des Angeklagten davon ausgehen, dass seine Aussage der Wahrheit entspricht und es sich, so Pöpperl, um eine „spontane Beziehungstat“ gehandelt hat.
Der 45-Jährige hatte zum Zeitpunkt der Tat eine intime Beziehung mit einer Frau, die gleichzeitig noch mit einem anderen Mann zusammen lebte. Diese Beziehung habe die Getötete dem Angeklagten wohl ausreden wollen, so Pöpperl. Zwar sei der 45-Jährige nicht ihr Typ gewesen, und die Freundschaft zu dem Mann, dem eine geistige Minderbegabung „nahe am Schwachsinn“ attestiert wurde, in ihrem Umfeld geheim gehalten. Die Richter halten es aber für möglich, dass das Opfer zumindest am Abend der Tat eine sexuelle Begegnung mit dem Angeklagten wollte. Darüber gerieten die beiden in einen heftigen Streit, der dann in einvernehmlcihen Geschlechtsverkehr überging – so zumindest die nicht widerlegbare Version des Angeklagten.
Nach dem Sex flammte der Streit dann wieder auf, und das Opfer muss den Angeklagten dabei nach Ansicht der Richter mit deutlichen Worten in seiner Männlichkeit gekränkt haben: Er packte die Frau am Hals, fiel auf sie und würgte sie mindestens drei Minuten lange, bis ihr Schaum vor dem Mund stand. „Er wollte ihren Tod, hat ihn zumindest billigend in Kauf genommen“, sagte der Vorsitzende. Von einer erhebliche Einschränkung der Schuldfähigkeit ging das Gericht nicht aus. Bei der Strafzumessung wurden aber die intellektuellen Defizite und eine Persönlichkeitsstörung des 45-Jährigen berücksichtigt. Das Urteil ist noch nicht rechskräftig: „Wir werden zunächst Revision einlegen. Ihm muss die Möglichkeit gegeben werden, in Ruhe darüber nachzudenken“, sagte Verteidigerin Kerstin Rieger.
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