Arm im Alter: ganz normal?

Einkaufen bei der Würzburger Tafel: Viele Rentner können sich kaum das Nötigste leisten, wie unser Archivbild zeigt.

Mehr als 80 Prozent der bayerischen Frauenrenten erreichen nicht einmal die 1.000-Euro-Grenze


Die Aussichten für ein sorgenfreies Leben im Alter sind nicht ungetrübt: „Altersarmut“, „Rentenlücke“, „Grundsicherung“ lauten die Vokabeln, die vielen Menschen einfallen, wenn sie an ihren Ruhestand denken. Auch Bayern ist kein Land wohlhabender Rentnerinnen und Rentner. Das stellte Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des VdK Bayern, heute auf der Jahrespressekonferenz des Sozialverbands in München klar. „Die Entwicklungen der letzten Jahre setzen sich fort. Die Zahlen zur Altersarmut stagnieren bestenfalls, eine Trendwende ist nicht in Sicht“, sagte Mascher. Die Frauenrenten steigen – von einem sehr niedrigen Niveau – nur sehr langsam an, während die Männerrenten spürbar und stetig kleiner werden.

Bayerns Männerrenten brechen ein
Mehr als 80 Prozent der bayerischen Frauenrenten erreichen nicht einmal die 1000-Euro-Grenze. Die wenigsten Frauen bekommen eine Rente von 1500 Euro oder mehr. Noch liegen die Männerrenten im Freistaat deutlich über denen der Frauen, aber insbesondere im mittleren Bereich, also bei den Rentenhöhen zwischen 1000 und 1500 Euro, brechen auch diese deutlich ein. Dies zeigt sich beim Statistikvergleich der männlichen Bestands- und Neurentner. Betrachtet man die Gesamtheit aller männlichen Rentner in Bayern, so erreichen 42,1 Prozent von ihnen eine Rente zwischen 1000 und 1500 Euro. Aber nur 33,9 Prozent der Männer, die 2016 in Bayern erstmals eine Altersrente bezogen, liegen in diesem Bereich.

Die Armutsgrenze wird in Bayern für einen Einpersonenhaushalt mit 1039 Euro angegeben. Insgesamt müssen 1,73 Millionen der 2,67 Millionen Rentnerinnen und Rentner mit einer Rente unterhalb dieser Armutsgrenze leben. „Bayerns Rentner müssen sich ihr Geld also sehr gut einteilen, um über die Runden zu kommen. Viele von ihnen liegen knapp über der Grundsicherungsschwelle und schlagen sich eben so durch“, erklärte Mascher.

„Altersarmut darf nicht zur Normalität werden“, warnte die VdK-Landesvorsitzende. Hier gegenzusteuern, sei ein Gebot politischer Vernunft. Der Wahlausgang zur Bundestagswahl habe deutlich gemacht, dass Sozialpolitik ein Schwerpunkt der nächsten Bundesregierung sein muss. „Es war mit Sicherheit einer der größten Fehler der bisherigen Koalitionsparteien, soziale Themen im Wahlkampf zu lange zu ignorieren“, ist Mascher überzeugt.

Die rentenpolitischen Forderungen des Sozialverbands VdK für die künftigen Koalitionsverhandlungen lauten: die Einführung einer Mindestrente nach dem Muster der „Rente nach Mindesteinkommen“, ein drittes Jahr Mütterrente für ältere Mütter, einen Freibetrag von 200 Euro für die Mütterrente bei der Grundsicherung im Alter und ein Rentenniveau von mindestens 50 Prozent. Zudem müssen die Abschläge für Erwerbsminderungsrentner abgeschafft und deren Rentenhöhen durch höhere Zurechnungszeiten zügig angehoben werden. Um Altersarmut vorzubeugen, muss Niedriglohnbeschäftigung eingedämmt und der Mindestlohn angehoben werden. Darüber hinaus muss die Kinderbetreuung gerade in Bayern deutlich ausgebaut werden.
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