Abgeschaltet, aber noch lange nicht am Ende

Das Erbe des Atomkraftwerks bleibt der Region wohl noch sehr lange erhalten, auch über den einstigen Abriss der Kühltürme hinaus.

Am 27. Juni soll das AKW Grafenrheinfeld vom Netz gehen. Das Castor-Zwischenlager bleibt.

Es wurde schon groß gefeiert von der „Bürgeraktion Lebens- und Umweltschutz-Bürgerinitiative gegen Atomanlagen“: Die Atomkraftgegner feierten am 31. Mai mit gut 4.000 Menschen das „Abschaltfest“ auf dem Schweinfurter Marktplatz. An diesem Tag sollte ursprünglich das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz gehen – im Zuge der Energiewende werden nach und nach alle deutschen Atommeiler stillgelegt. Dass der Kraftwerksbetreiber E.ON die Abschaltung zwischenzeitlich auf den 27. Juni verschoben hat, tat der Feierstimmung kaum einen Abbruch. Auf die paar Tage, so schien es, kommt es nicht an – zumal das Erbe des Atomkraftwerks der Region wohl noch sehr lange erhalten bleibt, auch über den Abriss der Kühltürme hinaus.

Zwischenlager oder Endlager?
Etwa 20 stählerne Castor-Behälter, jeder gut 100 Tonnen schwer, stehen in einem unauffälligen grünen Gebäude auf dem Gelände des Atomkraftwerks. In den Behältern befinden sich verbrauchte Brennelemente. Auch die Grafenrheinfelder Brennstäbe werden hier zwischengelagert werden, sobald das AKW angeschaltet wurde und die Brennstäbe abgekühlt sind. Für das Zwischenlager in Grafenrheinfeld hat der Bund dem Betreiber eine Betriebserlaubnis bis 2046 erteilt. Insgesamt können hier bis zu 88 Castoren untergebracht werden.

So manch Grafenrheinfelder, darunter auch Bürgermeisterin Sabine Lutz, rechnet damit, dass dieses Zwischenlager über das Jahr 2046 bestehen bleibt. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Lutz, dass aus dem Zwischenlager womöglich ein Endlager werden könnte, solange die Politik kein Konzept für den endgültigen Umgang mit dem Atommüll habe. Die Lösung der Atommüll-Frage ist aber noch lange nicht in Sicht.

Abwehr von Hacker-Attacken
Auch die Frage nach der Sicherheit ist möglicherweise nicht abschließend geklärt: Attacken aus dem Internet stellen eine wachsende Bedrohung für wichtige Versorgungs- und Sicherheitseinrichtungen dar. Auch die bayerischen Atomkraftwerke sind in Gefahr, warnt der Würzburger Ex-Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal. Die Abwehr von Computer-Attacken befindet sich laut Rosenthal gerade mal in der Aufbauphase.
So gebe es zwar genaue Szenarien, die etwa auf die Folgen eines Flugzeugabsturzes eingehen oder den Ausfall der externen Stromversorgung, nicht jedoch für den Fall, dass sich ein Eindringling per Computer von innen Zugriff auf die Steuerungsanlagen verschafft. Auch das Zwischenlager in Grafenrheinfeld könnte ins Visier von Terroristen geraten. Das sieht der Bayerische Verwaltungsgerichtshof allerdings anders: Laut einem Urteil aus dem Jahr 2006 sei „der erforderliche Schutz gegen Terrorszenarien“ im Zwischenlager Grafenrheinfeld gewährleistet.

Kletterpartie auf dem Kühlturm
Eine ganz andere Zukunftsvision hegt der Schweinfurter Atomkraftgegner Marc-Dominik Boberg: Das AKW Grafenrheinfeld soll nicht abgerissen, sondern in ein Museum für die deutsche Atomkraftgeschichte dienen. mit all ihren Gefahren dienen. Und die Kühltürme könnten als Kletterwand für Freeclimber eine neue Verwendung finden.
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