1.800 Euro brutto: Kommt das Familiengehalt?

"Ein Familiengehalt als Grundeinkommen für Familien ermögliche sowohl Planbarkeit als auch eine echte Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familienleben“, sagte Harald Mantel, Vorsitzender des KAB-Diözesanverbandes Würzburg. (Foto: Alexandra H., pixelio.de)
Wie lassen sich Beruf und Familie in Zukunft besser miteinander vereinbaren? Diese Frage haben Vertreter der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in der Diözese Würzburg (KAB) mit dem Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder erörtert. Dabei brachte der KAB-Diözesanverband erstmals seine Forderung eines Familiengehalts als Grundeinkommen für Familien ins Gespräch.

Das Familiengehalt soll laut KAB 1.800 Euro brutto pro Monat betragen und in den ersten drei Jahren nach der Geburt eines Kindes an die Eltern ausgezahlt werden. Der katholische Sozialverband schlägt vor, dass für das Familiengehalt – genau wie bei einem Gehalt aus beruflicher Tätigkeit – Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden müssen.

Laut Lehrieder, der Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, werden in der kommenden Legislaturperiode des Bundestags besonders das „Elterngeld Plus“ und die Verbesserung des beruflichen Wiedereinstiegs Schlüsselthemen sein. Der Bundestagsabgeordnete betonte: „Familien brauchen drei Dinge: Zeit, eine ausreichende finanzielle Ausstattung und eine gute Infrastruktur“. Mit dem „Elterngeld Plus“ und dem Rechtsanspruch auf einen Kinderkrippenplatz seien wichtige Grundlagen gelegt.

„Die Arbeitswelt tendiert dazu, sich zu entgrenzen. Mit der Familie ist das oft nur schwer zu vereinbaren“ entgegnete Diakon Peter Hartlaub, Präses des Diözesanverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Würzburg. Auch in Unterfranken seien Schichtarbeit und Wochenendarbeit in Verbindung mit ständiger Flexibilität für Familien ein großes Problem. „Deshalb braucht es nicht nur familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, sondern insgesamt eine familienfreundliche Arbeitswelt“. Hierauf müsse die Politik Einfluss nehmen.

„Oft entscheiden sich Frauen und Männer bewusst gegen Kinder. Ein Familiengehalt als Grundeinkommen für Familien ermögliche sowohl Planbarkeit als auch eine echte Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familienleben“, sagte Harald Mantel, Vorsitzender des KAB-Diözesanverbandes Würzburg. Durch das Familiengehalt könnten Eltern beispielsweise entscheiden, ob sie selbst die Erziehung ihres Kindes übernehmen wollten oder ob sie das Kind lieber in einer Kinderkrippe betreuen ließen, so Mantel. Hinterlegt sei die Forderung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung mit einem konkreten Finanzierungsmodell.

Lehrieder gestand zu, dass durch ein Familiengehalt die Leistungen in der Familie anerkannt würden. Gleichzeitig gab er auch zu bedenken, dass in den kommenden Jahren kein Spielraum für teure Maßnahmen im Bundeshaushalt sei. „Ich muss mir das mal in Ruhe anschauen und werde das Finanzierungsmodell durch die zuständige Abteilung durchrechnen lassen. Ein positiver Effekt ist jedenfalls, dass durch das Familiengehalt auch eine Anwartschaft für die Rente entstehen soll“, so Lehrieder. (pow)
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