110 Jahre Frauenpower an der Uni

Zum Wintersemester 1903 schrieb sich die Mutter von Beate Uhse ein

Das Königreich Bayern im Jahr 1903: Erstmals werden Frauen zum Studium zugelassen. An der Universität Würzburg schreiben sich zum Wintersemester immerhin drei Studentinnen ein – darunter die Mutter von Beate Uhse.
Als sich die Hochschulen in Bayern 1903 erstmals für Studentinnen öffneten, gab es nur drei Landesuniversitäten: in München, Würzburg und Erlangen. Frauen hatten seinerzeit nur wenige Rechte. So sollte es zum Beispiel noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sie bei politischen Wahlen ihre Stimmen abgeben durften. In Deutschland hatten Frauen zum Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend die Rolle der treusorgenden Gattin und Mutter zu erfüllen. Eigenständig ihren Wunschberuf anzustreben? Das war so gut wie unmöglich – von einigen Ausnahmen abgesehen: Akzeptiert war es zum Beispiel, wenn eine Frau als Lehrerin in einer Mädchenschule unterrichten wollte.

Andrang ausländischer Akademikerinnen
Wie kam es dann dazu, dass Frauen auch in Bayern studieren durften? Das deutsche Universitätssystem war damals wegen seiner Verbindung von Forschung und Lehre weltweit hoch angesehen und ein wahrer „Exportschlager“. Ende des 20. Jahrhunderts gab es viele Anträge amerikanischer und englischer Akademikerinnen, die nach einem Bachelor-Studium in ihrer Heimat an deutschen Universitäten ein „Vollstudium“ absolvieren und – wie damals hier üblich – mit der Promotion abschließen wollten. In den USA und vielen anderen europäischen Ländern stand Frauen ein Studium schon viel früher offen.
Der starke Andrang ausländischer Akademikerinnen brachte schließlich die bayerische Landesregierung dazu, ein Gutachten über die Zulassung von Frauen zum regulären Studium einzuholen. In diesem Prozess war es letztlich das positive Votum der Uni Würzburg, das den Ausschlag für die Öffnung der Landesuniversitäten zum Wintersemester 1903/04 gab.

Die ersten Studentinnen in Würzburg
Die ersten offiziell zugelassenen Studentinnen in Würzburg waren Grete Ehrenberg, Barbara Heffner und Margarete Räntsch. Räntsch und Ehrenberg kamen aus Berlin und studierten Medizin, Heffner stammte aus Österreich und war für Biologie eingeschrieben.
Margarete Räntsch hatte ihr Abitur 1901 in Berlin gemacht. Danach studierte sie als Gasthörerin Medizin in Freiburg, München, Berlin und zuletzt in Würzburg. Hier konnte sie sich 1903 auch offiziell einschreiben. 1908 schloss sie ihr Studium in Würzburg mit der Promotion ab. Sie war damit auch die erste Frau, deren Dissertation an der Medizinischen Fakultät zugelassen wurde.
Nach ihrer Hochzeit 1908 zog sie mit ihrem Mann auf dessen Gut in Wargenau in Ostpreußen, wo 1919 ihre Tochter Beate geboren wurde. Die brachte es später zu einigem Ruhm: Sie war zuerst Pilotin, heiratete dann ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse und baute nach dem Zweiten Weltkrieg eine Firma auf, die noch heute als Erotik-Unternehmen „Beate Uhse“ existiert.

25 Jahre Uni-Frauenbeauftragte
Im Jahr 110 nach der Zulassung von Frauen zum Studium gibt es in Bayern ein weiteres Jubiläum zu feiern: Vor 25 Jahren wurde die Position der Frauenbeauftragten an den Hochschulen des Freistaats geschaffen. Die erste Frauenbeauftragte der Uni Würzburg war die Juristin Ellen Schlüchter, Professorin für Kriminologie und Strafrecht. „Damals, vor 25 Jahren, waren nur drei Prozent der Professuren an der Uni Würzburg mit Frauen besetzt. Heute sind es 14 Prozent in Würzburg, 16 Prozent in Bayern und über 20 Prozent im Bund.
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