Zeitzeuge Horst Selbiger berichtet in Würzburg

Zwei, die sich auf Anhieb verstehen (v.l.): Paul-Thomas Hinkel und Zeitzeuge Horst Selbiger.

Würzburg (rm). Am Gedenktag der Opfer der Shoa hatte Paul-Thomas Hinkel, Chef der Würzburger pth mediaberatung, zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung eingeladen. Als besonderen Gast konnte er mit Horst Selbiger, einen der letzten Überlebenden des Völkermordes an den europäischen Juden begrüßen. Vor einer erlesenen Gästeschar informierte der heute 87-Jährige ergreifend über sein Leben als „Geltungsjude“ in Nazi-Deutschland, den immer stärkeren werdenden Einschränkungen im Alltag bis hin zur Zwangsarbeit als 14-Jähriger in einem Rüstungsbetrieb und seiner Verhaftung im Februar 1943. Die Deportation vor Augen wurden wir Geltungsjuden und die, die in Mischehen lebten, wie durch ein Wunder, so Selbiger, nach tagelangen öffentlichen Protesten in der Berliner Rosenstraße, aussortiert und in die Judenhäuser entlassen. Als Ende April 1945 die Rote Armee Berlin befreit, ist Horst Selbiger 17 Jahre alt, seiner Familie beraubt, unterernährt und von jahrelanger Zwangs-arbeit und steter Angst vor der eigenen Vernichtung gezeichnet. „Besonders erschreckend war für mich, dass mit dem Ende des Krieges aus einer Vielzahl übelster faschistischer Verbrecher über Nacht die bravsten Demokraten wurden“, betonte Selbiger in seinem Vortrag. Dieser Umstand bewegte ihn dazu, zunächst in die neu entstehende DDR zu gehen, bis er in den 60er Jahren – wider als Opfer des Systems – nach Deutschland kommt. Als Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des jüdischen Selbsthilfevereins „Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ geht Horst Selbiger heute in Schulen und Organisationen, um über sein Leben zu berichten.
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