Lage gut, Geschäftserwartungen mäßig, Unsicherheit groß

Hunger: „Konsumgetriebene Scheinkonjunktur ohne Effekt auf die Industrie“

Würzburg (ibw). Die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie in Unterfranken haben die Geschäftslage im zweiten Halbjahr 2015 insgesamt als gut bewertet. Die Erwartungen für die erste Jahreshälfte 2016 sind mäßig. Dies ist das Fazit der aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsbetrieben. Ingrid Hunger, Vorstandsvorsitzende der bayme vbm Region Main und Spessart: „Wir erleben derzeit eine Scheinkonjunktur, die vom Konsum getrieben ist.“
45 Prozent der Firmen kamen bezüglich der inländischen Geschäftslage zu einem positiven Urteil, 13 Prozent zu einem negativen. Das Auslandsgeschäft sahen etwa 43 Prozent der Unternehmen als gut an, für fast 24 Prozent lief es schlecht. Die Erwartungen für die erste Jahreshälfte 2016 haben sich verbessert – von niedrigem Niveau ausgehend: Ein knappes Viertel der Unternehmen hofft auf bessere Inlandsgeschäfte, zwei Prozent befürchten eine Verschlechterung. Für das Auslandsgeschäft rechnen 18 Prozent mit einer Belebung, ebenfalls zwei Prozent befürchten eine Eintrübung.
Erfreulich war die Beschäftigungsentwicklung: 2015 wurden in Bayern knapp 18.000 zusätzliche M+E Stammarbeitsplätze geschaffen. Insgesamt zählen Bayerns M+E Unternehmen damit rund 810.000 Mitarbeiter. In Unterfranken ist die Zahl der Beschäftigten um 1.000 auf 90.000 gewachsen. Hunger: „Allerdings wird sich der Beschäftigungsanstieg verlangsamen. Für das erste Halbjahr 2016 erwarten wir bayernweit zusätzlich 5.000 Arbeitsplätze. In Unterfranken wird für das erste Halbjahr 2016 mit einem Stellenzuwachs von 500 gerechnet.“
Hunger zufolge zeigt sich alles in allem ein wenig dynamisches Bild. Als Gründe nennt sie die schwache Entwicklung der Weltwirtschaft und die anhaltende Unsicherheit infolge der geopolitischen Krisen. „Auch die Dynamik in China wird massiv nachlassen, Russland und Brasilien bleiben in der Rezession. Die Unternehmen benötigen jetzt Differenzierungsmöglichkeiten und flexible Tarifelemente“, so Hunger. Konkret fordert sie Entgeltflexibilität mit Differenzierungsmöglichkeiten für einzelne Unternehmen und erfolgsabhängige Entgeltbestandteile: „Zur Sicherung der Personalflexibilität ist es unabdingbar, dass es zu keinerlei Einschränkung bei Zeitarbeit oder Befristung kommt. Und schließlich brauchen wir Wertschöpfungsflexibilität: Die Frage, welche Tätigkeiten ein Unternehmen selbst ausführt und welche fremdvergeben werden, muss eine unternehmerische Entscheidung bleiben. Deshalb lehnen wir jeglichen gesetzlichen Eingriff in Werk- und Dienstverträge entschieden ab.“
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