BI „Rettet das Moz“ will Bürgerentscheid noch im ersten Halbjahr

Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet das Moz“, Jörg Töppner, fordert alternativ zu den Plänen des Stadtrats eine „zukunftsgewandte Weiterentwicklung im Herzen der Stadt“.
Würzburg Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet das MOZ“ „geht davon aus, dass im Laufe des ersten halben Jahres über die Zukunft des Geländes des ehemaligen Mozartgymnasiums (Moz) durch einen Bürgerentscheid entschieden wird“. In einer Pressekonferenz machte ihr Sprecher Jörg Töppner deutlich, dass die BI die gesammelten zirka 8.000 Unterschriften für ihr Anliegen bei der Stadt einreichen und damit ein Bürgerbegehren einleiten wolle, „wenn sich dies zeitlich nicht so entwickelt“.

Hintergrund des von Töppner gewünschten Fortgangs der Nutzungsfrage des Geländes ist ein Beschluss des Stadtrats vom 22. Januar. Darin legte der sich mehrheitlich fest, dass das Bürgerbegehren der BI und ein „Ratsbegehren“ den Bürgern alternativ zur Abstimmung vorgelegt wird. Der Stadtrat hat trotz einiger Bedenken als Termin „Ende April/Mai“ festgelegt. Während die BI die denkmalgeschützten Bauten der Schule erhalten und als „Zentrum für Kultur und Bildung“ mit vielfältiger Nutzung einrichten will, umschreibt die Stadt laut Beschluss ihre Haltung so: „Ratsbegehren zur grundsätzlichen baulichen Neugestaltung des MOZ, eventuell mit einem Teilerhalt oder einer Rekonstruktion des Hufeisens“, womit der Eingangsbereich von der Hofstraße her gemeint ist.

Rückwärtsgewandter Aufbruch
In der Stadtratssitzung vom 22. Januar habe sich für ihn, Töppner, gezeigt, dass dem Stadtrat es einzig darum gehe, „eine überdachte Tiefgarage in zentraler Lage mit einem Maximum an Stellplätzen zu bauen". Dem Stadtrat gehe es um den „optimalen Stillstand möglichst vieler Autos am Mozartareal und am Kardinal-Faulhaber-Platz“. Das sei kein „Stillstand“ der Stadtentwicklung, sondern das Konzept der „autogerechten Stadt“ im Stile der 60iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und damit „eindeutig ein rückwärtsgewandter Aufbruch“. Die BI wolle verhindern, dass die Stadt „ihr letztes Stück urbaner Entwicklungsmöglichkeiten im Zentrum der Stadt“ durch „Verkauf des städtischen Geländes gegenüber der Residenz an einen Investor verramscht“.

Für ihn, sagte Töppner, assistiert von BI-Mitglied Christopher Franz, habe die Stadtratssitzung auch gezeigt, dass eine Mehrheit des Gremiums „keinen Bedarf mehr für ein großes Einkaufszentrum sieht in einer Zeit, in der in der Stadt in manchen Straßen „struktureller Leerstand“ herrsche, neuer starker Einkaufsmöglichkeiten in der Altstadt wie der Hof Emeringen und sich drastisch wandelnder Einkaufsgewohnheiten der Bevölkerung im Internet. Dennoch wolle der Stadtrat mit der Mozartschule ein unter Denkmalschutz stehendes Symbol der Wiederaufbauära, also des „Aufbruchs“, durch „Abbruch zerstören“.

Zukunftsgewandte Weiterentwicklung im Herzen der Stadt
Alternativ wolle die Bürgerinitiative eine „zukunftsgewandte Weiterentwicklung im Herzen der Stadt“. An diesem historischen Ort von Kultur und Bildung seien herausragende Charaktermerkmale der Stadtgeschichte vereint. Ein „Zentrum für Kultur und Bildung“ habe für die BI vier Pfeiler: zunächst könne es „ein Ort für städtische Erinnerungskultur (evtl. ein zeitgemäßes Stadtmuseum der Gegenwartsgeschichte) werden, zweitens ein „Forum für die kulturellen, sozialen und politischen Interessen der Stadtgesellschaft“, drittens ein „Empfangsort für Touristen und Gäste der Stadt“ und letztlich ein „international orientiertes Zentrum für das Welterbe ‚Residenz‘“.

Areal soll im städtischen Eigentum bleiben
Das Areal soll im städtischen Eigentum bleiben, um eine Entwicklung “zugunsten der Stadt, ihrer Bevölkerung und ihrer Gäste zu ermöglichen“. Umnutzung und Instandsetzung könnten etappenweise stattfinden: „Durch ein intelligentes Konzept kann die Stadt Fördermöglichkeiten durch Freistaat, Bundesrepublik und UNESCO ausschöpfen“ – worauf schon in der Stadtratssitzung vom 22. Januar Kulturreferent Muchtar Al Ghusain hingewiesen hat. –ser
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